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Rekordjahr in Australien? + Alles, was ihr über Haiangriffe wissen solltet

Ein Deal von , 5. Jan. 2021 13.44 Uhr

Ahoi Piraten,

in Australien sind im Jahr 2020 insgesamt acht Menschen bei Haiangriffen gestorben. Solch eine hohe Anzahl hatte es zuletzt vor fast 90 Jahren gegeben. Normal war in den letzten Jahren jeweils durchschnittlich nur ein Opfer pro Jahr. Ob man sich jetzt Sorgen machen muss und was es sonst noch alles über Begegnungen mit Haien zu wissen gibt, verraten wir euch hier!


Hintergründe zu den Unfällen in Australien:

Wir ihr auf der Karte sehen könnt, hat sich der Großteil der Unfälle an der Ostküste in der weiteren Umgebung von Brisbane zugetragen. Dies liegt auch daran, dass die Gegend zu den stärker besiedelten Regionen des Landes gehört und bei Surfern sehr beliebt ist. Immerhin vier der Vorfälle ereigneten sich tatsächlich beim Surfen. Ein weiterer beim Tauchen, einer beim Bodyboarding und einer beim Speerfischen.

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Bild: ©trackingsharks.com


Nehmen die Haiangriffe zu?

Jein. Australische Meeresbiologen und Haiforscher betonen, dass die absolute Anzahl aller Unfälle mit Haien in Australien zuletzt nicht gestiegen ist, sondern im Durchschnitt liegt. Nur sind tragischerweise im letzten Jahr mehr Opfer an ihren Verletzungen gestorben als üblich. Grund zur Besorgnis sei dies aber nicht, sondern eher ein trauriger Zufall.

Schaut man etwas länger in der Geschichte zurück, steigt die Gesamtanzahl der Haiunfälle zwar tatsächlich an. Das erklärt sich aber vor allem durch die Zunahme der Bevölkerungszahl und das Wachstum des Tourismus. Außerdem nimmt die Beliebtheit von Wassersportarten zu.


Übersicht: Haiunfälle seit 1900

  • blau = beim Surfen/Bodyboarden etc.
  • grün = beim Schwimmen/Baden
  • orange = beim Tauchen
  • lila = beim Rein- und Rausgehen aus dem Wasser (auch vom Boot)

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Grafik: ©surfersguide.ch


Wie gefährlich sind Haie?

Von den rund 400 Arten von Haien gelten nur gut ein halbes Dutzend als potenziell für Menschen gefährlich. Die meisten tödlichen Angriffe werden den drei Arten Weißer Hai, Bullenhai und Tigerhai zugeschrieben. Diese drei sind für mehr als 90% der tödlichen Haiunfälle verantwortlich.

Die Haie, die ihr beispielsweise während eures Maledivenurlaubs am ehesten am Riff zu Gesicht bekommt, sind eher Schwarzspitzen- und Weißspitzen-Riffhaie. Beide Arten gelten nicht als aggressiv, wenn man sie nicht bedrängt. Wie die meisten Haiarten sind sie sogar eher scheu und werden davon schwimmen, wenn sie euch registriert haben.

Schaut man in die Statistik, stehen etwa 40 Milliarden Aufenthalten von Menschen im Wasser pro Jahr gerade mal um die 90 unprovozierte Haiunfälle entgegen. Es ist also weitaus wahrscheinlicher, vom Blitz getroffen zu werden, als von einem Hai angegriffen zu werden. Selbst das Risiko, von einem Schwein getötet zu werden, ist um ein Vielfaches höher. Von den etwa 3.000 Straßenverkehrstoten allein in Deutschland ganz zu schweigen.

Gleichzeitig ist auch erwähnenswert, dass jedes Jahr 100 Millionen Haie von Menschen getötet werden, für die in Asien beliebte Haifischflossensuppe oder als Beifang. Als Folge sind bereits 20% aller Arten vom Aussterben bedroht.

Warum greifen Haie an?

Um dies endgültig beantworten zu können, müssen Haie und ihr Verhalten erst noch weiter erforscht werden. Früher nahm man an, dass die Tiere die Umrisse von Surfern mit ihren Beutetieren (Robben oder Schildkröten) verwechseln würden. Als alleinige Ursache wird dies aber mittlerweile ausgeschlossen. Fest steht, dass es nicht den einzelnen Grund gibt, sondern dass verschiedene Arten unterschiedliche Verhaltensweisen haben.

Eine große Rolle spielen auf jeden Fall bioelektrische Felder und Schwingungen, wie sie auch von Booten, Motoren, Unterwassergeräten oder planschenden Menschen erzeugt werden. Die Schwingungen ähneln denen von verletzten Fischen. Auch gewisse Töne und Geruchsmoleküle werden als Ursache nicht ausgeschlossen.

Fest steht, dass Menschen nicht wirklich auf dem Speiseplan der Raubfische stehen. Oft machen die Tiere "nur" einen "Erkundungsbiss" und bemerken dann ihren Irrtum. Wirklich gefressen wird also nie ein Mensch. Aber je nach Schwere der Verletzung verbluten die Opfer, wenn sie nicht schnell genug Hilfe bekommen. Im Durchschnitt enden um die 15% aller Haiunfälle tödlich für den Menschen.


Die 3 typischen Muster für Haiunfälle:

  • Hit & Run: Der Hai beißt einmal zu, merkt dann, dass der Mensch nicht zu seiner üblichen Beute gehört und lässt ab. Dies ist die häufigste Art und passiert üblicherweise im küstennahen Gewässer. Viele dieser Begegnungen enden nicht tödlich, wenn schnell Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet werden.
  • Bump & Bite: Schwimmer oder Taucher im etwas tieferen Wasser werden erst umkreist, dann angeschubst und schließlich angegriffen.
  • Sneak: Angriff ohne Vorwarnung und mit hoher Geschwindigkeit (z.B. vom Weißen Hai)

Die zweite und dritte Kategorie kommen am seltensten vor. Sie sind eher für die größeren Haiarten und in tieferem Wasser typisch und haben öfter einen tödlichen Ausgang. Die International Shark Attack File geht davon aus, dass in diesen Fällen oft ein Fehlverhalten des Menschen vorliegt (Speerfischen, schwimmen in der Nähe von Fischfangbooten oder Bootsabfällen).


Wo gibt es die meisten Haiangriffe und was wird dagegen unternommen?

Die meisten Unfälle mit Haien konzentrieren sich auf einige wenige Hotspots. Dies sind:

  • Florida (Schwerpunkt: Umgebung von Daytona Beach)
  • Brasilien (Schwerpunkt: Umgebung von Recife)
  • Südafrika
  • Kalifornien
  • Hawaii (Schwerpunkt: Umgebung von Maui)
  • Australien

Ein besonderer Hotspot ist außerdem seit einigen Jahren auch La Réunion, gerade im Vergleich zur kleinen Küstenlänge und geringen Einwohnerzahl. Daher ist dort das Schwimmen an einigen Stränden mittlerweile verboten und an anderen wurden Netze gespannt. Solche Netze gibt es zum Teil auch in Australien. Vor Sydney werden außerdem intelligente Bojen getestet, die mittels Echolot ihre Umgebung analysieren und wenn sie einen Hai registrieren, Rettungsschwimmer per App warnen. In Südafrika ist bei Kapstadt regelmäßig eine Helikopterpatrouille unterwegs und beobachtet, ob sich ein Hai dem Strand nähert.

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Gibt es auch im Mittelmeer Haie?

Ja, auch im Mittelmeer kommen rund 30 Haiarten vor, selbst Weiße Haie. Deren Brutstätten vermuten Forscher in der türkischen Bucht von Edremit, in der östlichen Adria und zwischen Sizilien und Tunesien. Die ausgewachsenen Tiere bevorzugen neben der Adria eher das westliche Mittelmeer, am liebsten in Abschnitten mit einer Wassertemperatur von um die 15 Grad Celsius. Unfälle mit Haien, egal welcher Art, werden im Mittelmeer aber immer seltener, auch weil die Population immer mehr schrumpft (u.a. wegen der Überfischung). Die letzte tödliche Begegnung ist sogar vierzig Jahre her.

Wie kann ich Begegnungen mit Haien möglichst meiden?

Wenn ihr folgende Tipps beherzigt, könnt ihr das ohnehin geringe Risiko nochmals verkleinern:

  • nicht an Orten ins Wasser gehen, die für eine erhöhte Haiaktivität bekannt sind
  • nicht an Stellen ins Wasser gehen, an denen die Sicht trüb ist, z.B. nahe an Flussmündungen
  • nicht alleine ins Wasser gehen
  • nicht in der Morgen- oder Abenddämmerung ins Wasser gehen (erst recht nicht nachts)
  • nicht an Stellen ins Wasser gehen, an denen gerade gefischt wird
  • nicht speerfischen
  • nicht mit Schmuck ins Wasser gehen (Reflexion des Sonnenlichts)
  • nicht übermäßig im Wasser planschen (guter Hörsinn)
  • nicht mit einer blutenden Wunde ins Wasser gehen (umstritten)

Der Nutzen von technischen Hilfsmitteln, die Haie abwehren sollen, ist umstritten. So haben beispielsweise zwei Australier das Armband "Sharkbanz" erfunden, welches ein magnetisches Feld erzeugt. Dies kann bestimmte Haiarten abhalten, die den Menschen erst umkreisen und mir ihren Elektrorezeptoren scannen. Weiße Haie und Bullenhaie, die sich eher mit großer Geschwindigkeit nähern, können so aber nicht aufgehalten werden.

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Wie verhalte ich mich, wenn sich mir ein Hai nähert?

  • versuchen, ruhig zu bleiben; keine hektischen Bewegungen
  • Augenkontakt mit dem Hai halten
  • wenn er sich nähert, Wasser entgegen schieben
  • als Gruppe zusammen bleiben
  • senkrechte Position einnehmen (um größer zu wirken)
  • Hände möglichst eng am Körper behalten
  • beim Tauchen am Riff Schutz suchen
  • langsam wegschwimmen, Sichtkontakt halten

Falls ein Hai angreift, bringt es nichts sich totzustellen. Der Hai lässt sich dann nur von aggressivem Verhalten beeindrucken. Manchmal wird empfohlen, ihm auf die empfindliche Nase zu schlagen, aber wegen der Nähe zum Maul kann dies gefährlich sein. Lieber sollte man auf ein Auge oder die Kiemen zielen, am besten mit einem Gegenstand (Kamera, Schnorchel).

Wo kann ich gezielt mit Haien tauchen?

Hier eine kleine Auswahl beliebter Orte für Begegnungen mit Haien:

  • Gaansbai, Südafrika: schnorcheln im Käfig mit Weißen Haien
  • Guadalupe, Mexiko: (nicht Guadeloupe!): tauchen im Käfig mit Weißen Haien
  • Beqa Lagune, Fiji: tauchen mit Bullenhaien
  • Caye Caulker, Belize: schnorcheln mit Ammenhaien
  • Bahamas: tauchen mit Tigerhaien
  • Isla Contoy, Mexiko / Donsol, Philippinen: schnorcheln mit Walhaien
  • Fakarava, Frz.-Polynesien: tauchen mit Grauen Riffhaien

Eigene Erfahrung: Ich selbst bin beim Tauchen und Schnorcheln bisher Schwarzspitzen- und Weißspitzen-Riffhaien, Ammenhaien, Wobbegongs, Walking Sharks und Walhaien begegnet. Für letztere kann ich die Touren von Cancun oder Holbox in die Gegend um die Isla Contoy im Sommer sehr empfehlen: Tolle Sicht und die Einhaltung der Regeln zum Tierschutz (maximal 2 Personen pro Tier) wird beachtet. Abraten würde ich persönlich von den Touren in Oslob auf den Philippinen, wo die Tiere gefüttert werden und große Gruppen von Touristen gleichzeitig ins Wasser springen. Abgesehen von diesem Stress, assoziieren die Tiere durch das Füttern Boote mit Nahrung und verletzen sich an Bootsschrauben. Besser sollen die Touren in Donsol ablaufen.


Fazit: Das Risiko für einen Haiangriff ist verschwindend gering und hat auch im letzten Jahr nicht zugenommen. Wenn ihr ein paar Ratschläge beherzigt, könnt ihr es noch weiter verringern.

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