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Können Hotels in Deutschland bald öffnen und wie?

Ein Deal von , 16. Mär. 2021 9.01 Uhr

Ahoi Piraten,

Ob Hotels in Deutschland großflächig öffnen können, wirkt angesichts der momentan leider wieder steigenden Infektionszahlen auf den ersten Blick sehr unwahrscheinlich. Genau dies fordert aber die hiesige Hotellerie und selbst der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Bareiß, nun. Ihr Argument dabei: Es sei schwer verständlich, dass Deutsche an Ostern nach Mallorca reisen können, aber nicht im eigenen Land Urlaub machen dürfen.

Um diesen Unterschied nachvollziehen zu können, hilft aber schon ein Blick auf die Inzidenzzahlen, denn da erreichen die Balearen deutlich niedrigere Werte, nämlich aktuell um die 20. Das deutsche Bundesland mit den niedrigsten Infektionszahlen, Schleswig-Holstein, kommt im Vergleich auf 48. Wie könnte man dem Tourismus in Deutschland trotzdem eine Perspektive geben?

Szenario 1: Landkreise unter einem bestimmten Inzidenzwert öffnen Hotels

Die aktuellen Öffnungsschritte sollten ursprünglich an den Inzidenzwert 35 gekoppelt sein. Diesen unterschreiten momentan etwa 20 Landkreise, darunter die schleswig-holsteinische Nordseeküste. Wenn man den neuen Schwellenwert von 50 zur Grundlage nimmt, kämen noch mal etwa doppelt so viele Landkreise hinzu, wie Rügen, die Mecklenburger Seenplatte und Bad Tölz-Wolfratshausen.

Vorteil: Regionen die Fortschritte bei der Infektionsbekämpfung machen, würden mit Öffnungen „belohnt“.

Nachteil: Der komplette Reiseverkehr würde sich dann auf einige Regionen stark konzentrieren und so möglicherweise zu vielen Kontakten führen, was wiederum zu mehr Ansteckungen führen kann.

Eine „Light“-Version die diesen Nachteil abschwächen könnte, wäre, dass nur Gäste aus dem eigenen Bundesland in Hotels und Pensionen übernachten dürfen. Diese Variante hatte Mecklenburg-Vorpommern bereits ins Spiel gebracht.

Szenario 2: Nur negativ getestete dürfen in Hotels übernachten

Viele Hoffnungen werden in die Schnelltests gesetzt, wenn sie demnächst in höherer Stückzahl verfügbar sind. Die Rede ist jedoch nicht von den Selbsttests aus dem Discounter, da hier nicht nachvollziehbar ist, ob der Test richtig und an der richtigen Person durchgeführt wurde. Aber auch an offiziellen Teststellen (u.a. in manchen Apotheken) soll ja bald für jeden ein kostenloser Antigen-Schnelltest möglich sein, dessen Ergebnis dann auch offiziell bescheinigt wird.

Es läge also nahe, dass man mit dieser offiziellen Bescheinigung auch wieder bestimmte Angebote, wie eben auch Hotels nutzen könnte. Auf den Kanarischen Inseln braucht man beispielsweise seit November einen negativen PCR- oder Antigen-Schnelltest um in Hotels einchecken zu können und auch bei unseren Nachbarn in Österreich ist eine solche Bescheinigung beispielsweise zum Friseurbesuch nötig.

Im Landkreis Tübingen ist in dieser Woche bereits ein dreiwöchiges Modellprojekt gestartet, welches in eine ähnliche Richtung geht, aber Hotels bisher noch ausschließt. Demnach sollen sich Bürger an mehreren Stationen im Tübinger Stadtzentrum kostenlos testen lassen können und bei negativem Resultat ein „Tübinger Tagesticket“ erhalten. Mit diesem können sie dann am selben Tag Geschäfte, Außengastronomie, Museen, Kinos und Theater besuchen.

Vorteil: Solange alle Gäste und Mitarbeiter getestet sind, wären Öffnungen unter sicheren Bedingungen möglich.

Nachteil: Die Schnelltests und das medizinische Fachpersonal für die Testung müssten zunächst in großer Zahl bereit stehen.

Des Weiteren haben diese Tests auch eine Fehlerquote. Beim jetzigen Stand der Infektionen und der typischen Sensitivität und Sensibilität der Schnelltests würden auf 10.000 getestete Personen etwa 200 Personen ein positives Ergebnis bekommen, obwohl sie kein Corona haben. Ihnen bliebe der ersehnte Urlaub dann verwehrt. Etwa 4 Personen würden ein negatives Ergebnis bekommen, obwohl sie mit Corona infiziert sind. Durch strikte Hygienemaßnahmen und konsequentes Maskentragen müsste also sichergestellt sein, dass diese falschnegative Getesteten niemanden anstecken.

Fazit:

Falls es zu Öffnungen im Bereich der Hotellerie kommen sollte, halten wir zunächst eine Mischung aus beiden Szenarien für wahrscheinlich. Ob eine solche Lösung aber schon zu Ostern kommt, wagen wir nicht abzuschätzen. Für die Zeit danach und zumindest bis eine gute Impfquote möglicherweise im Sommer erreicht ist, sind solche Pläne durchaus vorstellbar.

Am 22. März sprechen die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten frühestens über mögliche Hotelöffnungen. Bis dahin werden sie sicherlich auch mit Interesse die ersten Ergebnisse des Tübinger Modellprojekts verfolgen.

Können Hotels in Deutschland bald öffnen und wie?