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Piraten berichten: Reisen in Zeiten von Corona Teil I

Ein Deal von , 11. Mär. 2020 16.12 Uhr

Ahoi Piraten,

Corona ist gerade das beherrschende Thema in den Medien. Manche von euch sind vielleicht genervt und wollen gar nichts mehr darüber lesen. Andere wiederum stehen wahrscheinlich gerade vor der Frage, ob sie demnächst verreisen können oder erst mal alle Pläne auf Eis legen sollten, bis sich die Situation beruhigt – wann immer das sein wird.

Abnehmen können wir euch diese Entscheidung natürlich nicht, aber wir möchten euch zumindest unsere eigenen Erfahrungen teilen, wie wir in den letzten Tagen selbst das Reisen erlebt haben.

Wenn ihr selbst außergewöhnliche Erfahrungen zu dem Thema auf euren Reisen erlebt habt, dann teilt sie gern mit uns weiter unten in den Kommentaren.


Teil 1 – Tobi, nach Palau via Seoul:

Letzten Herbst hatte ich Flüge mit Qatar und Asiana ins Taucherparadies Palau gebucht; die hatten wir zum echt guten Preis von gerade mal um die 400 Euro auf unserer Website (sonst das zwei- bis dreifache). Obwohl ich mich schon extrem darauf gefreut hatte, bin ich in den Tagen vor der Reise doch ein bisschen ins Grübeln gekommen, als Covid-19 anfing, sich so stark in Südkorea breit zu machen. Schließlich hatte ich auf dem Hin- und Rückflug einen mehrstündigen Aufenthalt am Hauptstadtflughafen Incheon. Geplant war, die Gelegenheit zu nutzen und gleich noch die Stadt anzuschauen, wie ich es oft bei solchen längeren Layovers mache.

Nun aber plötzlich: Corona-Alarm in allen Medien! Auch in Südkorea steigen plötzlich die Zahlen, Höchststand gleich hinter China. Auf den Verbreitungskarten war aber immerhin zu sehen, dass fast alle Fälle im Süden des Landes auftraten, reichlich weit entfernt von Seoul und auch das Auswärtige Amt empfiehlt konkret nur, eine bestimmte Provinz zu meiden. Außerdem gab es mittlerweile selbst in Deutschland einige Fälle, also entschied ich, dass erst mal nichts gegen die Reise an sich spricht. Neben der gesundheitlichen Abwägung spielten natürlich auch mögliche Einreisebeschränkungen eine Rolle. So könnte man zum Beispiel nicht nach Australien einreisen, selbst wenn man vorher nur an einem chinesischen Flughafen umgestiegen ist. Aber auch die schienen mir erst mal keinen Strich durch die Rechnung zu machen (siehe täglich aktualisierte Liste der IATA).

Auf den Flughäfen lief dann alles ab wie gewohnt (sprich: Berlin voll wie immer und Oslo skandinavisch effizient), keine besonderen Vorkehrungen und es trug auch niemand Masken. Ganz anders in Doha, erst recht, als ich am Gate zum Flug nach Seoul ankam: Dort waren geschätzt 95% der Passagiere maskiert. Die meisten hatten diese ganz simplen Masken, von denen es überall heißt, dass sie gar nichts bringen. Manche hatten auch etwas besser ausgeformte, bei denen man nicht an der Seite „vorbei atmen“ kann und ganz wenige trugen solche mit Filter. Als es dann im Flieger Essen gab und natürlich jeder seinen Schutz abnahm, hab ich mich schon kurz gefragt, wie viel das nun eigentlich genützt hat.

11 Stunden später stand ich am Flughafen Seoul, wo nun aber wirklich jeder eine Maske trug und auch auf Schildern darum gebeten wurde. Der Flug von dort nach Palau war dann zu höchstens 10% besetzt, obwohl vorher noch in der Seatmap die meisten Plätze reserviert waren. Viele Südkoreaner hatten sich wohl kurzfristig entschieden, lieber zu Hause zu bleiben.

Piraten berichten: Reisen in Zeiten von Corona Teil I - 4
Nachts um Drei landeten wir in Palau, wo es übrigens noch keinen bestätigten Corona-Fall gab. Vor dem Eintritt ins Terminal waren drei Schalter aufgebaut, an denen man das im Flugzeug ausgefüllte Gesundheitsformular (Fragen zu möglichen Symptomen und Reisehistorie) abgeben musste und Fieber gemessen bekam. Ich hatte keins und mir ist auch nicht aufgefallen, dass irgendjemand anderes dabei herausgefischt wurde. Nach der unkomplizierten Einreise (bei der man in Palau interessanterweise einen Schwur in den Pass gestempelt bekommt, bei dem man unterschreibt, dass man die Umwelt schützen wird) hatte ich dann ein paar entspannte und erlebnisreiche Tage, die ich mit Schwimmen, Schnorcheln und Tauchen verbracht habe. Man hat vor Ort gemerkt, dass weniger Touristen aus China und Südkorea vor Ort waren. Bei einer Tour war ich zum Beispiel ganz allein, bei einer anderen war nur ein anderer Tourist (aus Deutschland) dabei. Ansonsten war das Virus-Thema nun erst mal weit weg – bis zum Rückflug.

Piraten berichten: Reisen in Zeiten von Corona Teil I - 2
Auf dem Flug von Palau nach Seoul trugen nun auch alle Flugbegleiterinnen Masken. Das Sightseeing in Seoul ließ ich ausfallen, schon allein, weil ich mit der Einreise nach Südkorea in den nächsten 14 Tagen in einige andere Länder nicht mehr hätte einreisen können. Im nächsten Flug dann wieder das inzwischen fast schon gewohnte Bild: Von den knapp 250 Plätzen waren allerhöchstens 50 besetzt. Somit hatte natürlich jeder Passagier den schönen Vorteil, sich bequem über mehrere Plätze ausbreiten zu können - perfekt. Mit so viel Platz schlief ich knapp 8 Stunden durch.

In Doha angekommen, drehte sich die positive Stimmung ein wenig. Das Flugzeug machte am äußersten Ende des Terminals halt, welches anscheinend extra für Flüge aus „Risikoländern“ abgesperrt wurde. Auch hier wurde jedem Fieber gemessen, diesmal aber nicht per Handgerät sondern mit Wärmebildkameras. Der Umgangston der Mitarbeiter war in etwa so, wie man es sich in einem Gefängnis vorstellt. Hinter den Kontrollen mussten sich alle auf die Sitze verteilen und dort warten, niemand durfte gehen. Raus gelassen wurde jeder erst wenige Minuten bevor das Boarding des jeweiligen Weiterflugs begann, damit man auch wirklich ohne Umwege nur direkt zum Gate ging.

Auf dem letzten Flug war dann wieder alles ganz normal, ohne besondere Vorkommnisse. Bei der Landung in Deutschland bekam ich übrigens keine von diesen Ausstiegskarten, von denen in den Medien die Rede ist. Vielleicht gibt's die nur für Leute, die per Nonstop-Flug aus Risikogebieten kommen, wobei die Sinnhaftigkeit dann wohl auch fraglich wäre.

Fazit: Ich bin letztendlich froh, die Reise nicht abgesagt zu haben. Mit freien Sitzreihen im Flieger und weniger Touris vor Ort war die Reise sogar ganz angenehm. Ein mögliches Risiko sollte man natürlich je nach Region gut im Blick behalten und schlussendlich liegt es dann an jedem selbst, eine vernünftige Entscheidung zu treffen. Objektiv gesehen ist für die meisten Ziele momentan das Risiko, von einer Flugstreichung betroffen zu sein größer als das einer Ansteckung.

Piraten berichten: Reisen in Zeiten von Corona Teil I

Piraten berichten: Reisen in Zeiten von Corona Teil I