Piraten - Helden der sieben Weltmeere oder Raufbolde und Mörder? Was waren sie wirklich?

Ein Deal von , 19. Sep. 2015 9.00 Uhr

Piraten - Helden der sieben Weltmeere oder Raufbolde und Mörder? Was waren sie wirklich?

Liest man heute ein Buch oder sieht man eine der Fernsehserien oder der Filme über Piraten, so sind sie meistens die Helden, die heroischen Freibeuter die sich allen Regeln widersetzen und als kleine Minderheit den großen Seemächten des 16. und 17. Jahrhunderts ein Schnippchen nach dem anderen schlagen. Aber, was versteckt sich wirklich hinter dem Wort Piraten? Was waren das für Menschen und gibt es Piraten auch heute noch?

Inhalt



Woher kommen die Piraten eigentlich und seit wann gibt es sie?

Piraten gibt es im Prinzip, solange es die Schifffahrt schon gibt. In der Antike, bevor Schiffe gebaut wurden, die auch auf das offene Meer hinausfahren konnten, wurde Piraterie von nahezu allen Nationen, die Schiffe hatten, betrieben. Diese segelten dann an den Küsten fremder Landstriche entlang und suchten nach Dörfern oder Siedlungen, die sie überfallen konnten. Oder sie kaperten einfach ein Handelsschiff, dass in ihrer Nähe seine Route hatte. Erst als mit dem Bau der Triremen die ersten Schiffe entwickelt wurden, die auch auf das Mittelmeer hinausfahren konnten, verlagerte sich die Piraterie mehr auf die offene See hinaus.

Zu der Zeit des römischen Imperiums gab es bereits ganze Piratenbanden, die in ihrem Unterschlupf auf irgendeiner Mittelmeerinsel warteten und die vorbeifahrenden Handelsschiffe ausraubten. Die Römer hatten stark unter den kilikischen Piraten zu leiden, unterbanden diese doch die Kornlieferungen aus Ägypten für Rom. Das war auch der Grund für den ersten organisierten Feldzug gegen Piraterie, den die Militärgeschichte kennt: die Kampagne des Gnaeus Pompeius im Jahr 67 v. u. Z. Die Organisation dieses Militärschlages war einmalig in der Geschichte. Es gelang Pompeius innerhalb kürzester Zeit die Seewege im Mittelmeer wieder sicher zu machen und die Piraten und ihre Verstecke zu vernichten. Spätere Generationen sollten sich wesentlich schwerer mit solchen Erfolgen tun.

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Deutsche Piraten

Die Zeit der großen Deutschen Handelshäuser war auch die Zeit der deutschen Piraten in der Nord- und der Ostsee. Einer der Berühmtesten von ihnen war Klaus Störtebecker, der ebenso wie sein nur minder weniger bekannter Kumpan Gödeke Michels auf dem Grasbrook, einer Insel unmittelbar vor der Stadt Hamburg, hingerichtet wurde. Das es bei Weitem mehr als nur diese zwei Piraten in der Nord- und Ostseeregion gab, zeigt der Umstand, dass im Laufe der Jahre auf dem Grasbrook 428 Seeräuber hingerichtet wurden.

Ähnlich wie die kilikischen Piraten in der Antike hatten sich die Piraten der Nord- und Ostsee zu einer Einheit zusammengetan, den Vitalienbrüder. Einer der Grundsatz der Vitalienbrüder war die Gleichheit aller Männer in der Mannschaft. Der Kapitän war bei ihnen ein Erster unter Gleichen. Jedes Mitglied der Mannschaft erhielt einen Anteil der Beute, der sich an seinem Rang und seiner Erfahrung bemaß. Letztlich waren die Vitalienbrüder so etwas wie das Vorbild der Männer, die erst einige Jahrhunderte später auf der Bildfläche auftauchen und die Welt in Angst und Schrecken versetzen sollten.

Das Goldene Zeitalter der Piraten

Feine weiße Sandstrände, türkisfarbenes und glasklares Wasser, das ganze Jahr über Sonne und hohe Temperaturen und ein Hotel neben dem anderen, so kennen wir heute weite Teile der Karibik. Im ausklingenden 15. Jahrhundert und den beiden folgenden Jahrhunderten sah es dort allerdings völlig anders aus. Die neue Welt war gerade entdeckt worden. Gold und Silber gab es in Hülle und Fülle. Außerdem schossen neue Siedlungen wie Pilze aus dem Boden. Die Menschen kamen aus der alten in die neue Welt, weil sie hier ein besseres Leben suchten. Schließlich hatten alle großen Seemächte der damaligen Zeit Niederlassungen in der Karibik. Spanien, Frankreich, England und die Niederlande lieferten sich ein Wettrennen um die besten Handelsplätze und die vielen Goldminen, die entlang der Küsten gab. Eine wahre Brutstädte für Gesindel aller Art. Hinzukam, dass alle vier Seefahrernationen dazu übergegangen waren ein Konstrukt mancher Adliger aus dem Mittelalter zu übernehmen: sie setzten Piraten als von ihnen beauftragte Freibeuter ein. Wer einen Kaperbrief einer Nation hatte, durfte sich an den Schiffen der Nationen, mit denen die eigenen Auftraggeber gerade im Krieg waren, gütlich tun. Da die politischen Verhältnisse zur damaligen Zeit aber extrem instabil waren und die Feinde von heute schon morgen Verbündete gegen einen anderen Feind sein konnten, gab es sehr schnell Freibeuter, deren Kaperbrief wertlos geworden war, weil die Konfliktparteien Frieden geschlossen hatten.

Die Piraten dieser Zeit sind es, die bis heute unser Bild von Piraterie prägen. Allerdings haben wir oftmals ein verklärtes Bild von heroischen Freibeutern, die im Auftrag ihrer Königin, ihres Königs oder einfach um die Damenwelt zu begeistern ein Schiff nach dem anderen kapern und sich dabei, wie die reinsten Gentleman benehmen. Dieses Bild trügt. An der Piraterie dieser Zeit war nichts Ehrenhaftes, nichts Heroisches. Nicht selten wurden Mannschaften gekaperter Schiffe komplett getötet, wenn sie sich nicht der Piratenmeute anschließen wollten. Oder sie wurden mitten auf dem Meer in kleinen Beibooten ausgesetzt, unbewaffnet und ohne Lebensmittel.

Die größte Piratengemeinschaft dieser Zeit waren die Bukaniere. Sie operierten in der gesamten Karibik. Auch wenn die Bukaniere für die anderen Nationen Gesetzlose waren, lebten sie in ihrer Gemeinschaft doch nach Regeln und Traditionen. So galt ein Gleichheitsgrundsatz, wie er in Zeiten der Sklavenhaltung und der Standesgesellschaften völlig neu war. Es war egal, ob schwarz oder weiß, egal welcher Herkunft man war, welchen Stand die Familie einmal gehabt haben mochte. Was zählte, war nur der Name, den man sich auf hoher See gemacht hatte.

In der Organisation waren die Piraten der Karibik fast schon demokratisch veranlagt. Der Kapitän wurde von der Mannschaft gewählt. Wie bei den Vitalienbrüdern führte er seine Männer quasi auf Augenhöhe. Nur in der Schlacht oder während der Jagd auf ein Beuteschiff war das Wort des Kapitäns absolutes Gesetz. Doch es gab zur damaligen Zeit wohl kaum einen gefährlicheren Job, als den des Kapitäns auf einem Piratenschiff. Denn so schnell, wie die Mannschaft einen Piraten wählen konnte, so konnte sie ihn auch wieder absetzen.

Und es gab viele Gründe für eine solche Absetzung. Unzufriedenheit mit der Menge der Beute der letzten Streifzüge, der Vorwurf feige zu sein und Angst im Angesicht des Feindes gezeigt zu haben oder einfach nur der Umstand, dass ein anderer an Bord dachte, er könnte es besser. Im schlimmsten Fall kam es zu einer Meuterei, wenn nämlich diejenigen Männer, die dem Kapitän treu ergeben waren, nicht mit einer Abwahl einverstanden waren. Dann töteten die Piraten sich auch gern gegenseitig, wenn es darum ging, die eigenen Ziele durchzusetzen.

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Wurde ein Kapitän im Rahmen einer Meuterei abgesetzt, so setzte man ihn meistens auf einer der vielen kleinen einsamen Inseln in der Karibik aus. Alternativ war auch eine kleine Schaluppe oder ein Beiboot gern genommen, wenn man den ehemaligen Kapitän loswerden wollte.

Die Piraten dieses Zeitalters sammelten teilweise riesige Schätze an, verprassten diese aber in der Regel auch genauso schnell wieder. Sie überfielen spanische Kolonialstädte an den Küsten Süd- und Mittelamerikas, sie kaperten Handelsschiffe und sie machten oftmals sogar Jagd auf die spanische Schatzflotte.

Doch es kam der Tag, an dem sich die großen Seemächte besannen, dass sichere Seewege wichtiger waren, als die Schwächung des Feindes durch den Einsatz von Freibeutern. Zum Ende des 18. Jahrhunderts endete das Goldene Zeitalter der Piraten in der Karibik, als die Spanier, die Engländer und die Franzosen gemeinsam Jagd auf die Piraten machten und sie langsam aber sicher aus der Karibik vertrieben.

Zugegeben, es gab auch asiatische Piraten und Piraten, die vor den Küsten Afrikas im Indischen Ozean operierten. Doch diese ähnelten im Prinzip denen aus der Karibik in Organisation und Art.

Piraterie heute

Heute sind Piraten nach wie vor ein Problem in manchen Teilen der Welt. Gerade vor den Küsten Afrikas sind Piraten keine Seltenheit. Und auch in asiatischen Gewässern kann man zuweilen auf Piratenboote stoßen. Heute geht es weniger darum, Handelsschiffe zu kapern als mehr um das Entführen von Menschen und Schiffen, um Lösegeld zu erpressen. Heute sind viele Piraten auch in die Aktivitäten der Schlepperbanden verwickelt, die Flüchtlinge aus den Krisengebieten Afrikas und Arabiens unter menschenunwürdigen Bedingungen nach Europa bringen.

Was ist dein Piraten Name?
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Piratisch – Deutsch / Deutsch – Piratisch

Es gibt noch heute eine ganze Menge Begriffe aus dem Vokabular der Piraterie, dass in Romane und Filmen immer wieder eine Rolle spielt. Aber bedeuten diese Seemansbegriffe eigentlich? Hier einmal fünf Begriffe zum genaueren Verständnis.

Kapern:

Das Kapern eines Schiffes meint das Erobern des Schiffes durch eine Piratenmannschaft. Dabei gab es die unterschiedlichsten Kapertaktiken. In den seltensten Fällen ließen sich Piraten auf Seegefechte mit langem Kanonenbeschuss ein. Erstens war Schießpulver damals nicht leicht zu bekommen. Und zweitens gefährdete man damit ja die Beute. Einmal zu oft getroffen konnte das Handelsschiff explodieren oder direkt untergehen. Gern genutzt wurden hingegen Kettenkugeln. Zwei Kugeln, die mit einer Kette in der Mitte verbunden sind, wurden mit einem Schuss auf das feindliche Schiff abgeschossen. Diese Kettenkugeln zerrissen Segeln und Seile und zerschmetterten nicht selten den Mast. Ein derart manövrierunfähiges Schiff konnte leicht gekapert werden. War der Gegner erst mal bewegungsunfähig, war der nächste Schritt das Entern.

Entern:

Das Entern meint den Vorgang, wenn eine Mannschaft das Deck eines anderen Schiffes stürmt. Dazu wurden Enterhaken auf das feindliche Schiff geworfen und dieses so an das eigene Schiff herangezogen, dass es längsseits festgemacht werden konnte. Dann begann der Kampf Mann gegen Mann.

Eine Prise:

Mit dem Wort „Prise“ ist die Beute in Form von Schiffen und deren Inhalt gemeint. Ein Pirat, der ein Handelsschiff gekapert hatte, hatte damit eine „Prise aufgebracht“.

Kielholen:

Das Kielholen war eine der schwersten Disziplinarstrafen unter Piraten. Wer beispielsweise bei einer wichtigen Wache schlafend aufgefunden wurde, konnte, wenn die Mannschaft als Ganzes bzw. mehrheitlich das beschloss, Kiel geholt werden. Dabei wurden die Verurteilten an einem Seil von vorn nach hinten unter dem Schiffsrumpf durchgezogen. Diese Tortur endete oftmals tödlich, vor allem wenn der Bestrafte selbst nur schlecht schwimmen konnte.

Der Fliegende Holländer:

Eine der bekanntesten Piratenlegenden der damaligen Zeit ist die, vom Fliegenden Holländer. Im Prinzip dreht sich die Geschichte um einen Kapitän, der auf hoher See im Sturm derbe Flüche ausstieß und deshalb selbst verflucht wurde. Das Schicksal des Schiffes und seiner Mannschaft ist es nun, bis ans Ende aller Tage oder bis zum Jüngsten Gericht weiterzusegeln und in keinen Hafen einlaufen zu können. Wer das Schiff mit dem tiefschwarzen Mast und Rumpf und den blutroten Segeln zu Gesicht bekam, wusste das etwas Schreckliches auf ihn wartete. In der Regel galt eine Sichtung des Fliegenden Holländers als Zeichen für den bevorstehenden Untergang des Schiffes oder zumindest für ein schweres Unglück. Die Legende des Geisterschiffes vom Fliegenden Holländer hat inzwischen sowohl in der Oper als auch im Film, Hörspiel und auf dem Romansektor Einzug gehalten.

Talk Like a Pirate: The Five A's

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