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Welche Fernreisen sind derzeit möglich und wie sind die Aussichten?

Ein Deal von , 12. Aug. 2020 9.43 Uhr

Ahoi Piraten,

in unserer Facebook-Gruppe haben wir euch vorgestern gefragt, zu welchen Fernreisezielen ihr euch aktuelle Reise-Infos wünscht. Auf die Top 3 werden wir heute eingehen. Für viele weitere Ziele seht ihr den aktuellen Stand aber auch unten übersichtlich in unserer Tabelle.

Bali

Auch wenn Indonesien zu den stärker von Corona betroffenen Ländern Asiens gehört, kommen von der Insel Bali, die außerordentlich stark vom Tourismus abhängig ist, positive Signale. Die Insel soll als Testballon für den Tourismus im ganzen Land dienen. Der Gouverneur gab dazu vor zwei Wochen bekannt, dass auf der Insel ab dem 11. September wieder internationale Touristen willkommen sein würden, unter der Bedingung, dass ein negativer Covid-19-Test bei der Einreise vorgelegt wird.

Momentan befindet sich die Insel seit dem 31. Juli in Phase 2, in welcher Tourismus aus dem Inland erlaubt ist. Täglich gibt es 28 Flugzeugstarts und -landungen. Reisende werden dazu angehalten, Desinfektionsmittel und Masken mitzubringen sowie am Ende jedes Tages im Hotel zu duschen (hat der Entwicklungsminister wirklich so gesagt).

Nun folgt aber der Wermutstropfen: Laut einem Vertreter der Landesregierung sollen erst mal nur Reisende aus Australien, Neuseeland, China, Südkorea, Japan und Singapur zugelassen werden. Ein Grund dafür ist neben den meist niedrigen Zahlen in diesen Ländern, dass Reisen von dort nonstop möglich wären, ohne im stärker betroffenen Jakarta umzusteigen oder auf Transitregelungen von anderen Staaten angewiesen zu sein. Fazit: Für Reisende aus Deutschland noch keine Öffnung in Sicht, aber mittelfristig möglich, falls die Testphase mit anderen Ländern gut läuft

Thailand

Momentan versucht sich das Tourismusgewerbe Thailands durch inländischen Tourismus über Wasser zu halten. Da dies bei weitem nicht kostendeckend ist, ruhten die Hoffnungen auf einen Neustart bislang auf drei Säulen:

  • Vorerst sollen nur einzelne Regionen im Land für den Tourismus freigegeben werden, um einen möglichen Anstieg der Fallzahlen eindämmen zu können. Ausgesucht wurden dafür größere Inseln mit einer guten Infrastruktur und möglichst einem eigenen Flughafen, wie Phuket und Koh Samui.
  • Statt auf Backpacker, die ständig von Ort zu Ort reisen und infolgedessen mögliche Infektionensketten schlecht nachverfolgbar sind, möchte das Land vor allem auf Urlauber setzen, die in 4- bis 5-Sterne-Hotels bleiben, die ihre Unterkunft im Voraus buchen und die ganze Zeit am selben Ort bleiben.
  • Um das Risiko klein zu halten, wollte sich Thailand zunächst nur für Reisende aus Ländern mit wenigen aktiven Corona-Fällen öffnen. Hierfür wurden genannt: Japan, Südkorea, China, Taiwan, Vietnam, Australien und Neuseeland.

Gerade bezüglich des letzten Punktes gab es nun aber Rückschläge. Sowohl Australien als auch Japan haben plötzlich mehr neue Corona-Fälle als je zuvor. Manche sprechen von einer zweiten Welle. Ein hoher Vertreter aus dem Tourismusministerium hat sich daher in der letzten Woche resigniert gezeigt und die Befürchtung geäußert, dass es in diesem Jahr wohl nichts mehr wird mit dem internationalen Tourismus in Thailand. Fazit: Schlechte Aussichten für 2020

Malediven

Von euren Top-3-Wunschzielen in der Ferne sind die Malediven die Destination, für die die Reisewahrscheinlichkeit derzeit am höchsten ist. Wie für alle Ziele außerhalb Europas besteht auch hier eine Reisewarnung (dazu unten mehr), die euch aber nicht das Reisen verbietet. Auch wird nach der Rückkehr am Flughafen in Deutschland ein Test fällig, für den ihr aber nichts zu bezahlen braucht.

Dafür läuft aber die Einreise seit dem 15. Juli relativ unkompliziert. Ihr müsst kein Testergebnis vorlegen und braucht euch auch nicht in Quarantäne zu begeben. Einzig Inselhopping ist untersagt und das Hotel muss im Voraus gebucht werden.

Zusätzlich müsst ihr im Flugzeug ein Gesundheitsformular ausfüllen und bei der Einreise abgeben. Routinemäßig werden dabei auch Fieberchecks gemacht und in begründeten Verdachtsfällen Abstrich-Tests durchgeführt. Selbst wenn ihr ein Verdachtsfall seid, könnt ihr in den meisten Fällen auf eure Resort-Insel weiter und euch dort in einem separaten Bereich isolieren, bis das Testergebnis da ist.

Nachdem ihr euren Urlaub genossen habt, füllt ihr vor der Rückreise noch im Hotel einen Fragebogen aus, in dem ihr angebt, ob ihr inzwischen irgendwelche Symptome hattet. Fazit: Fernziel mit den besten Aussichten 2020


Übersicht über die beliebtesten Reiseländer außerhalb Europas

Für die Abwägung, ob ein Land sich als Reiseziel eignet, gibt es derzeit vor allem drei Kategorien zu berücksichtigen. Die erste (Reisewarnung) hat dabei eher Empfehlungscharakter bzw. erlaubt euch die kostenlose Stornierung von Pauschalreisen. Die zweite (Einreise) ist die wichtigste, da sie entscheidet, ob die Reise überhaupt möglich ist. Die dritte (Risikogebiet) sagt aus, ob ihr bei der Rückkehr am deutschen Flughafen einen Pflichttest (Abstrichtest auf Corona) machen müsst.

Welche Fernreisen sind derzeit möglich und wie sind die Aussichten? - 2

Was kann ich aus diesen Infos schlussfolgern?

1. Reisewarnung

Reisewarnungen bestehen derzeit für alle Regionen außerhalb Europas. Die einzige Ausnahme bilden derzeit 4 touristische Provinzen in der Türkei.

Keine Angst. Eine Reisewarnung muss nicht heißen, dass vor Ort ein hohes Corona-Risiko besteht, sondern kann auch bedeuten, dass schlicht die Einreise in dieses Land derzeit nicht möglich oder erschwert ist oder dass die Flugverbindungen zu diesem Land derzeit beeinträchtigt sind.

Eine Reisewarnung ist außerdem kein Reiseverbot, sondern eine "dringliche Empfehlung". Das Auswärtige Amt rät also von nicht notwendigen Reisen außerhalb Europas ab. Des Weiteren habt ihr bei einer gebuchten Pauschalreise aufgrund einer Reisewarnung das Recht kostenlos zu stornieren.

Die meisten Veranstalter werden allerdings auch von sich aus Pauschalreisen stornieren, wenn eine Reisewarnung besteht. Wenn ihr also definitiv eine Fernreise in naher Zukunft unternehmen wollt und euch aller Risiken bewusst seid, habt ihr die größten Chancen, wenn ihr eure Reise individuell bucht (also Flüge und Unterkunft getrennt).

Die derzeitigen Reisewarnungen gelten übrig bis Ende August. Daher ist davon auszugehen, dass bis spätestens eine Woche vor Monatsende wieder über das weitere Vorgehen entschieden wird.

2. Einreise möglich?

Die zweite Spalte ist für euren Reisewunsch natürlich die wichtigste von allen. Dort könnt ihr entnehmen, welche Länder euch überhaupt reinlassen, wenn ihr aus Deutschland einreist. Hierzu zählen die Dominikanische Republik, Mexiko (sowie einige kleinere Karibikstaaten), die Malediven und Tunesien. Ägypten lässt uns zumindest in die touristischen Regionen rund um Hurghada, Marsa Alam und Sharm-El-Sheikh (und das weniger bekannte Matruh am Mittelmeer). Sogar die übliche Visa-Gebühr wird dort bis Ende Oktober ausgesetzt.

Mit einem negativen Corona-Abstrichtest, der nicht älter als 96 Stunden sein darf, ist die Einreise außerdem in Kenia möglich (Deutschland steht hier auf der Liste der Länder, aus denen Reisende nicht in eine Einreisequarantäne müssen) und ebenso in den Vereinigten Arabischen Emiraten, hier allerdings ausschließlich über den Hauptflughafen von Dubai (DXB).

Zusätzlich müssen in den meisten dieser Länder noch Formulare mit Gesundheitsfragen ausgefüllt werden und es gibt meist kurze Fieberchecks am Flughafen. Zum Teil soll man sich auch Corona-Tracking-Apps runterladen.

Leider war das aber nur die halbe Miete, denn ihr müsst jetzt noch die passenden Flüge finden. Momentan werden nämlich immer noch erst etwa 50% aller Flüge durchgeführt, verglichen mit dem Vorjahr. Und selbst wenn ihr gebucht habt, kann es immer noch passieren, dass Fluggesellschaften wenige Wochen vor Abreise aufgrund mangelnder Auslastung stornieren.

Ihr merkt schon, Fernreisen in 2020 sind nichts für Vorsichtige, sondern erfordern viel Flexibilität, Mut & Organisationsgeschick.

3. Risikogebiete

Diese Kategorie schreibt euch - ähnlich wie die erste - nicht vor, ob ihr reisen dürft oder nicht. Sie kann euch einerseits Anhaltspunkt über das Infektionsgeschehen vor Ort sein und damit bei der Entscheidung für ein Ziel unterstützen. Dabei wird aber in der Regel nicht zwischen den einzelnen Regionen unterschieden. So könnte es beispielsweise in Kairo sehr viele Fälle geben, während Hurghada so gut wie verschont bleibt.

Vor allem aber wirkt sich das Label "Risikogebiet" auf eure Rückreise aus. Wenn ihr nämlich aus einem solchen zurückkehrt, müsst ihr euch am Flughafen in Deutschland einem (kostenlosen) Pflichttest unterziehen (oder an einer anderen Corona-Teststelle innerhalb von 72 Stunden). Bis zum Ergebnis des Tests müsst ihr euch in häusliche Quarantäne begeben.


Fazit

Wie ihr seht, ist das Reisen in die Ferne in diesem Jahr fast zu einer kleinen Wissenschaft für sich geworden. Nicht nur, dass ihr immer auf mehrere Informationen gleichzeitig achten müsst, diese können sich außerdem in kürzester Zeit ändern.

Wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, könnte man also einfach noch bis zum nächsten Jahr abwarten. Wir bei uns in der Redaktion, die man allesamt als reisefreudig bis reisesüchtig bezeichnen könnte, sind auch nach und nach dabei, unsere (schon vor längerer Zeit gebuchten) Fernreisen zu stornieren oder zu verschieben. Ich selbst habe beispielsweise nur noch Fernflüge im Dezember nach Singapur offen und hoffe, dass bis dahin irgendein Land in Südostasien aufmacht, aber finde mich auch langsam damit ab, dass daraus vielleicht nichts wird.

Wenn ihr aber unbedingt weit weg möchtet, dann lautet unser wichtigster Tipp: Bleibt möglichst flexibel. Bucht euch Flüge, die sich ohne großen Aufpreis verschieben oder in einen Gutschein umwandeln lassen und bucht nur Unterkünfte, die kostenlos stornierbar sind.

Unsere Empfehlung auf der Mittelstrecke wäre Tunesien, da das Land die Einreise erlaubt und nicht mehr zu den Risikogebieten zählt, weshalb nach der Rückreise weder Pflichttest noch Quarantäne fällig werden.

Auf der Langstrecke sind unsere derzeitige Empfehlung die Malediven, da die Einreise dort an keine nennenswerten Bedingungen geknüpft ist. Dies ist vor allem wegen des "One Island, One Resort" Konzeptes möglich: Da sich jeder Tourist während des Urlaubs auf ein und derselben Insel aufhält und beim Auftreten eines Falles Kontaktpersonen leicht nachverfolgt werden könnten.

Momentan fliegen unter anderem Emirates und Qatar Airways von Deutschland auf die Malediven. Einfacher ist es mit letzterer, da ihr bei Emirates auch für den Transit einen negativen Covid-19-Test braucht.

Welche Fernreisen sind derzeit möglich und wie sind die Aussichten?

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