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#piratesontour - Florida während COVID-19! Bericht aus dem Sunshine State

Ein Deal von , 11. Apr. 2020 15.00 Uhr

Ahoi Piraten!

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Heute richte ich, Marc, mich persönlich mit ein paar Worten an euch. Wer mich von den Urlaubspiraten kennt weiß, dass ich ein riesiger USA-Fan bin! Ob Deals, Impressionen, Rundreisen, Flüge oder auch Erfahrungsberichte - von mir habt ihr schon viel gelesen was mit den USA zu tun hat.

Ich liebe die Vielfalt dieses Landes einfach unheimlich und reise deswegen auch immer wieder hin. Aus diesem Grund war ich auch privat noch bis zu letzten Sonntag im März im Land unterwegs. Dieses Mal während eines ungeplanten zwei-wöchigen Florida Roadtrips, dazu kommen wir aber gleich.


Klartext zu diesem Artikel: Ich will euch in diesen Zeiten nicht zum Reisen animieren. Es handelt sich um eine persönliche Berichterstattung über die momentane Situation in Florida.


Unsere geplante Reise - und was letztendlich daraus wurde:

Ursprünglich war geplant über Florida in die Dominikanische Republik zu reisen. Ich hatte für mich und meine Freundin einen 4-tägigen Aufenthalt inkl. Mietwagen in Florida mit einem anschließenden 11-tägigen Beachurlaub in Las Terrenas in der Dom. Republik geplant.

Gerade in Miami angekommen verkündeten die USA Einreisebeschränkungen für Europäer - Glück gehabt. Wir entschieden uns erst einmal einen kühlen Kopf zu bewahren und nach dem geplanten Florida Aufenthalt in die Dom. Republik weiter zu fliegen. Zu dieser Zeit (ca. 13. März) waren in den USA kaum Auswirkungen der Krise zu spüren, zumindest nicht in Florida (dazu aber später mehr).

Am nächsten Tag dann die Horror-Nachricht. Die Dominikanische Republik verlangt eine zweiwöchige Pflichtquarantäne in einem Lager nahe Santo Domingo für alle, die in den letzten Wochen in Europa waren. Das war's für uns! Wir entschieden uns natürlich gegen einen Flug ins "Karibikparadies". Im Nachhinein war es das Beste was wir machen konnten, denn kurz darauf wurden die Grenzen dicht gemacht und die Urlauber in der Dom. Rep. im Zuge der Rückholaktion der Bundesrepublik nach Deutschland ausgeflogen.

Aus unseren 5 geplanten Tagen in Florida wurde somit ein 15-tägiger Roadtrip. ABER: Wir waren frei! Keine Quarantäne, keine Einschränkungen, kein Verzicht - Noch nicht.

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Die ersten 5 Tage:

Wie oben angekündigt soll es sich hier nicht um einen Reisebericht handeln welcher beschreibt, wie traumhaft schön Florida ist - was es ist - sondern um eine Berichterstattung. Ich möchte euch hier im Artikel die Situation vor Ort während der letzen Wochen schildern.

In den ersten Tagen konnte man keine Einschränkungen, kein Verzicht, allerdings auch keinerlei Bewusstsein seitens der Amerikaner feststellen. Problematisch: Es war Spring Break. Das Highlight des Jahres für tausende Studenten aus dem ganzen Land. Beliebte Strände wie Palm- oder Daytona Beach werden zu Outdoor Dance Floors und gesetzlosen Zonen.

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Quelle: Jillian Cain Photography / Shutterstock.com

Volle Restaurants, ausgelassene (Urlaubs- und Party-) Stimmung und Karibikflair wie man es aus Florida gewohnt war. Doch so toll es auch war, es war schneller vorbei als wir dachten. Ein feiernder Spring Break-Tourist aus Ohio brachte das Fass mit seinem Statement: "If I get Corona, I get Corona" möglicherweise zum Überlaufen. Gefühlt veränderte sich ab diesem Moment die Lage dramatisch. Die Angst in der Bevölkerung wuchs und die Meldungen aus Europa waren verstörender denn je.

Wir sind keine großen Partygänger und mieden die Spring Breakler und die einschlägigen Orte dafür sowieso. Da wir ja nun wussten, dass wir über zwei Wochen in Florida sein würden, gönnten wir uns einige entspannte Tage an verschiedenen Stränden auf den Florida Keys, auf Senibel Island und am wunderschönen Siesta Key an der Golfküste bei Sarasota.

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Tag 5-10:

Die Stimmung im Staat wurde zunehmend unruhiger und gefühlt panischer. Ferner wurde auch die Berichterstattung in den lokalen Medien drastischer: Schlagworte wie z.B. "Ausgangssperre" stimmten uns nachdenklich. Unsere anfängliche Urlaubsstimmung war nach den neusten Meldungen aus Europa dann auch nicht mehr existent. Ich checkte die Meldungen von meinen Kollegen, welche aus Indonesien, Palau und aus Australien nach Deutschland zurückreisten und beriet mich mit unserer in Peru gestrandeten Kollegin Leslie.

Mittlerweile hatte sich auch die Infrastruktur in Florida stark verändert. City Parks, State Parks und National Parks waren geschlossen. Restaurants, Malls, Outlet Stores, Boutiquen und Museen zu! Weiterhin konnte man wie in Europa noch in Supermärkten, Apotheken und Tankstellen einkaufen. Außerdem waren fast alle Fast Food Restaurants nur noch zur Mitnahme und zum Drive-In geöffnet. Man stelle sich ein Amerika ohne McDonalds vor. ;-)

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Die Supermärkte sahen zu diesem Zeitpunkt aus wie man das aus Europa kennt: Klopapier, Taschentücher, Nudeln und Konserven waren ausverkauft. Doch gab es in den USA einige spannende Unterschiede zu Europa: Chips, Tiefkühlware, Bier sowie Fleisch waren auch so gut wie nie verfügbar. Auch in den riesigen Walmarts - Fehlanzeige.

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Die größte Einschränkung für die verbleibenden Urlauber wie uns waren jedoch die mittlerweile geschlossenen Strände. Ein trauriges Bild, Piraten! Die schönsten Strände der Welt: Geschlossen. Daytona Beach, Naples Beach, Clearwater, Miami Beach. 400 km Strand an der Atlantikküste von Port Canaveral bis Miami - geschlossen! Die Florida Keys planten sogar einen noch drastischeren Schritt: Vollkommene Abschottung und die Schließung der Zugangstraßen aller Hotels und Übernachtungsmöglichkeiten.



Die letzten Tage:

Die Lage wurde zunehmend ernster. Durch die Schließung der Hotels auf den Florida Keys war mir klar: Das wird nicht der einzige Ort bleiben, der seine Pforten für Touristen schließt. Wir entschieden uns also für ein Abbrechen unseres Roadtrips und zur Rückfahrt (wir waren mittlerweile in Savannah, Georgia). Wir buchten uns ein Hotel in der Nähe des Flughafens Miami und hofften unsere letzten Tage noch an einem Pool oder zumindest auf einer Terrasse in der Sonne verbringen zu können. Fehlanzeige - Pools, Frühstücksräume, Fitnessbereiche und sonstige öffentliche Bereiche aller Hotels waren geschlossen. Wenigstens aber hatten wir ein Zimmer für die letzte Woche.

Wir waren mittlerweile die einzigen verbliebenen Gäste im Hotel und auch weit und breit die einzigen, die wir auf den Straßen sahen. Kalifornien, Illinois und New York hatten mittlerweile eine zwingende Ausgangsperre verhängt. Aufgrund der sehr alten Bevölkerung war so ein Schritt auch in Florida zu erwarten. Doch glücklicherweise hielt Governor DeSantis an den Social Distancing Regeln fest und verhing erst einmal keine generelle Ausgangsperre.

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Wir hatten also noch 6 Tage in einem Airport Hotel in Miami vor uns, da wir keine Chance hatten unseren Rückflug zu verschieben. Doch wir wären keine Piraten wenn wir nicht das Beste daraus machen würden - oder dies zumindest zu versuchen. Wir entschieden uns in Einhaltung der Social Distancing Regeln (in dem wir möglichst im Auto blieben) für die Erkundung Süd-Floridas. Wir fuhren wieder auf die mittlerweile gespenstisch ausgestorbenen Florida Keys.

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Key West - Hier waren Läden, Restaurants, alle Hotels und sonstige Übernachtungsmöglichkeiten zwar bereits geschlossen, jedoch war die Durchfahrt noch möglich. Hier dann die Überraschung: Als wir die TOP 5 Strände auscheckten (die natürlich ausnahmslos alle geschlossen waren) hatten wir Kontakt zu einigen Einheimischen, die uns Tipps für noch geöffnete Strände gaben. Doch wie kann das sein? Wie können Strände geöffnet sein, wenn der Staat das Schließen aller Strände anordnet?! Die Lösung: Amerika selbst. Es gibt Unterscheidungen zwischen State Beaches und den County Beaches und -Parks. Zusätzlich gibt es noch privat finanzierte Beach Parks, welche dem "State-Gesetz" auch nicht unterstehen. Wir haben also menschenleere und geöffnete Strände auf den Florida Keys entdeckt. LOTTOGEWINN! Social Distancing und doch noch etwas Urlaubsfeeling für unsere letzten Tage.

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Doch diese Euphorie hielt nicht lange. Die Florida Keys wurden am letzten Tag unseres Aufenthaltes dann komplett gesperrt. Nun war der Besuch der Keys nur noch als Bewohner oder mit Sonderberechtigungen möglich.

Zu diesem Zeitpunkt waren wir aber bereits im Aufbruch nach Hause. Mittlerweile wurde eine nächtliche Ausgangsperre in den Counties Miami-Dade und Broward (Miami, Fort Lauderdale, Hollywood usw) eingeführt und die Straßen wurden leerer und ausgestorbener. Wir fuhren noch ein letztes Mal durch Miami-Beach und waren schockiert: Es war wie einem post-apokalyptischen Blockbuster. Der berühmte und lebenslustige Ocean Drive war wie ausgestorben. Es war definitiv Zeit zu gehen!


Fazit zur Reise:

Viele von euch werden denken: Wie konntet ihr nur Mitte März noch fliegen? Unverantwortlich! Leichtsinnig! Ich will an dieser Stelle weder dagegen argumentieren noch mich verantworten. Gerne könnt ihr natürlich in den Kommentaren eure Meinung kundtun, jedoch werde ich in meiner Antwort auf eure Kommentare keinen Standpunkt einnehmen. Danke für euer Verständnis.

Durch die Situation in Europa und der Welt war unsere Urlaubsstimmung sehr getrübt, trotzdem haben wir versucht aus unserem "Urlaub" das bestmögliche zu machen. Am Ende war es ein "Aufenthalt" und KEIN URLAUB. Gerade als Touristiker ist für mich natürlich jede Reise auch weitestgehend "Arbeit". Die USA und die Welt in diesem Ausnahmezustand zu sehen war eine bittere, aber auch interessante Erfahrung. Jedoch bin ich froh wieder in Deutschland - in Selbst-Quarantäne - zu sein.

Wie in der Einleitung schon angedeutet: Die USA ist für mich nicht nur ein Land! Beruflich wie auch privat ist sie "mein Baby". Die Lage im Moment betrübt mich zutiefst. Unsere geliebte Tourismusbranche und das Reisen an sich sind in ernsthafter Gefahr. Doch ich bin mir zu 100% sicher: Mit tollen Usern wie euch werden wir da durchkommen und nach der Krise wieder neu in See stechen! Ihr könnt euch auf eins verlassen: Wir werden weiterhin spannende und inspirierende Stories für euch posten und unser Bestes geben, damit wir alle zusammen gestärkt aus der Krise rauskommen.

Euer Marc


Letzte Worte:

Ein ganz besonderer Dank geht an dieser Stelle an alle meine Kollegen der gesamten HolidayPirates Group, welche in dieser schweren Zeit unser Piratenschiff durch den Sturm manövrierten und dies weiterhin tun! Zusätzlich noch einen großen Dank und Durchhaltevermögen an alle Mitarbeiter der Tourismusbranche.

Das größte Dankeschön geht aber an euch - unsere User! Ohne euch wären wir nicht das, was wir sind, würden nicht das tun, was wir tun und würden nicht das schreiben, was wir schreiben. #weareallinthistogheter

Bleibt gesund!





Quelle Titelbild: fitzcrittle / Shutterstock.com

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