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Erfahrungsbericht: Endlich wieder Italien! Ein Pirat erzählt, wie ein Urlaub vor Ort abläuft

Ein Deal von , 25. Jun. 2020 18.00 Uhr

Ciao Piraten!

Endlich wieder Italien! Endlich wieder Aperitivos, endlich wieder das wahre Dolce Vita am eigenen Leib spüren! Italien übte schon bei unseren Großeltern in den 60ern eine riesige Faszination aus und jährlich strömen Millionen Touristen aus aller Welt in das stiefelförmige Land in Südeuropa. Die Pandemie hat es für einige Zeit unmöglich gemacht nach Italien zu fahren - da war klar, dass wir sobald die Grenzen öffnen her mussten - und hier sind wir! Pirat Marc hat sich für euch mal auf Entdeckungstour ins neue Italien gemacht! Viel Spaß, Piraten!


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Erfahrungsbericht Italien nach Öffnung der Grenzen

Servus Piraten!

Als einschlägiger Italienfan konnte ich es natürlich kaum erwarten in den Süden aufzubrechen sobald die Grenzen öffnen! Am 15. Juni war es soweit. Die Durchfahrt über Österreich und die Schweiz war offiziell möglich und Italien war zum Greifen nah! In der Nacht vom 19. auf den 20. Juni ging es dann los! Meine italienische Freundin und ich sind in meinem ebenfalls italienischen Auto (Ja, ich bin ein großer Fan :-P) um 4 Uhr morgens aus der Nähe von Stuttgart aufgebrochen um am Lago d'Orta im Piemont eine Woche zu verbringen.

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Die Fahrt an den Lago d'Orta

Die Strecke von meiner Heimatstadt Göppingen an den Lago Maggiore bzw. Lago d'Orta kenne ich im Schlaf und bin ich auch schon unzählige Male gefahren. Dieses Mal war es anders. Was erwartet uns an der Grenze? Werden wir zurück geschickt? Haben wir irgendeine Regel missachtet? Was fragen uns die Beamten in Österreich? In der Schweiz? Darf man in der Schweiz stoppen um zu tanken? Ihr merkt, da geht einem viel im Kopf rum, wenn man nach der Pandemie direkt in eine der am stärksten betroffenen Regionen der Welt unterwegs ist.

Dieses Mal im Reisegepäck: Eine Extrapackung Einmalmasken, Desinfektionsmittel, eine große Packung Einmalhandschuhe und antivirale Seife - wir waren also vorbereitet.

Um kurz vor 6 Uhr morgens erreichten wir bei Bregenz die österreichische Grenze. Ich erwartete lange Schlangen und Kontrollen. Doch hier die erste Überraschung: Keine Kontrollen, keine Schlangen, keine Beamten!? Weiter geht's durch den Pfändertunnel in Richtung Lichtenstein und in die Schweiz. Bei der Schweiz hatte ich noch größere Bedenken - es ist ja schließlich die Schweiz. Doch auch hier: Das selbe Bild wie an der österreichischen Grenze. Keine Kontrollen, leere Straßen und freie Fahrt.

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Um 8 Uhr waren wir bereits am Lago Maggiore an der nächsten Grenze. Unser 59 PS-Supersportwagen hat uns ohne auch nur einen Stop mal wieder direkt nach Italien geführt. Am Grenzübergang in Brissago dann wieder keine Kontrollen und keine Beamten. Wir waren angekommen - Bella Italia war nach Monaten der Isolation wieder zugänglich. Unsere Freude war riesig! Wir fuhren "Adriano Celentano-trällernd" am Lago Maggiore entlang und waren überglücklich endlich "wieder da" sein zu dürfen.

Am Lago d'Orta angekommen war sofort klar was wir zu tun hatten:

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Bei bereits 25 Grad und strahlendem Sonnenschein ging es direkt ins Wasser! Wir waren angekommen. Obligatorisch nach jeder Einreise nach Italien ist für uns der Supermarktbesuch: Fläschchen Wein, hauchdünn aufgeschnittener San Daniele Schinken, Gorgonzola con Mascarpone ... Ihr kennt das Spiel.


Der erste Besuch im Supermarkt

In Italien herrscht Maskenpflicht im öffentlichen Raum und in einigen Supermärkten besteht eine Handschuhpflicht. Wir waren vorbereitet. Auf dem Parkplatz schon ein anderes Bild: Die Masken hingen bevorzugt am Ellenbogen und Handschuhe haben wir keine gesehen. Hmmmm?! Was nun? Am Eingang dann folgende - sehr dezente - Hinweise:

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Im Eingangsbereich des Supermarkt dann eine lange Schlange und ein Mitarbeiter, der bei jedem Kunden die Temperatur misst. Auch hingen hier Handschuhe aus, die (eigentlich) verpflichtend sind, genauso wie das desinfizieren des Einkaufswagens.

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Doch sobald man im eigentlichen Supermarkt ist, bietet sich einem ein anderes Bild. Leicht schockierend! Viele Menschen drängen sich an den Gemüse- und Obsttheken, die Markierungen auf dem Boden an der Wursttheke sind quasi Dekoration und generell wird im Supermarkt der Mindestabstand nicht eingehalten - nirgends! Es ist, als vergessen die Italiener die Regeln, wenn es um Lebensmittel geht.

Hier fühlten wir uns direkt unwohl. Wir befinden uns nun mal in einem der Corona-Hotspots der Welt und die Menschen halten sich nicht an die einfachsten Regeln. Auch hier werden die Masken lieber am Kinn als über Mund und Nase getragen und die Einweghandschuhe sind auch nicht mehr angelegt. Auch haben wir sehr viele alte Menschen gesehen, was uns noch unangenehmer stimmte. An der Kasse ging es dann gerade so weiter. Hier konnte ich mich nicht zurückhalten und musste einfach ein Foto schießen. Man beachte die Markierungen am Boden. Entschuldigung! Aber mir kann keiner erzählen, dass DAS nötig ist:

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Das Einchecken in Hotel und das Zimmer

Hier war ich persönlich am meisten gespannt. Wie werden wir erwartet? Wie viele andere Gäste sind da? Gibt es Einschränkungen beim Frühstück und im Restaurant? Viele Fragen und relativ entspannte Antworten.

Zunächst empfing uns ein Desinfektionsspender und ein Informationsschild mit dem Hinweis auf das Tragen einer Maske. An der Rezeption empfing uns die gewohnt freundliche und nette Dame, die uns auf verschiedene andere Maßnahmen hinwies. Das Frühstück wurde komplett ausgesetzt aber das Restaurant hat an 5 von 7 Tagen geöffnet. (Stay tuned - zur Unterkunft gibt es bald einen extra Deal)

Spannend ist, dass wir die einzigen Gäste sind. Wir haben uns auch viel mit der Besitzerin des Hotels unterhalten und konnten so viel über Situation hier am Lago d'Orta erfahren. Die nächsten Tage sollten wohl Gäste kommen, die dann aber absagten. Schade!

Wir haben uns hier im Hotel die ganze Woche sicher und sehr wohl gefühlt. Wir haben von unserem Balkon aus gearbeitet (Homeoffice ;-)) und uns in der Bar einen Kaffee geholt.

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Wie ist die Situation in den Städten?

Zunächst ging es in die Stadt Omegna im Norden des Lago d'Ortas. Hier trifft sich Sonntag morgens die ganze Stadt. Wir machten uns Sonntag also auf den Weg und checkten die Lage.

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Zunächst einmal fiel uns auf, dass es ruhiger war, wie letzen Sommer - klar. Generell weniger Menschen auf der Straße. Nach dem Supermarkt-Besuch schon mal ein gutes Zeichen. Wir entschieden uns ein kleines Frühstück einzunehmen um die Situation in der Bar zu checken. Hier auch sehr positiv: Der Abstand wird eingehalten, die Kellnerinnen tragen Maske und die Kunden tragen auch die Masken beim rein- und rausgehen.

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Am Mittwoch ging es nach Orta San Giulio - der schönsten Stadt am See. Hier ist Mittwochs Wochenmarkt. Diesen galt es natürlich auszukundschaften. Der Marktplatz von Orta San Giulio ist perfekt um ein Aperetivo mit Blick auf die sich im See befindenden Klosterinsel zu genießen. Ein toller Ort, Piraten! Italien wie man es sich nur im Bilderbuch vorstellen kann. Wirklich toll. Orta San Giulio ist der Touristen Hotspot des Ortasees. Ich komme immer nur einmal hier her wenn ich in der Gegend bin um ein Eis zu essen - denn das ist hier am besten ;-).

Doch auch hier war an diesem Vormittag wenig los. Es war ein etwas bedrückendes Gefühl in einer Stadt zu sein in der es sonst nur so vor sich hinwuselt und man gut und gerne mal mit dem Aperol in der Hand auf dem Marktplatz steht, weil es keine Sitzplätze mehr gibt.

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Wir nutzen die Gelegenheit und liefen durch die (jetzt) leeren Gassen, genossen die ein oder andere Kugel Eis und machten viele Fotos. Beim Eiskauf kam ich eine lustige und zugleich kuriose Situation. Um das Eis zu kaufen muss man Maske tragen - klar. Doch was macht man als erstes wenn man sein Eis vom Tresen holt? Man schleckt den Rand ab. Um ein Haar hätte ich mir das köstliche Gelato in die Maske gedrückt.

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Der erste Besuch am Strand

Wer Italien kennt weiß, man kommt oft am sogenannten "Lido" nicht vorbei. Lidos sind private Strände an denen man Liegen und meist auch Sonnenschirme mietet. Neben Lidos gibt es am Meer - genauso wie an Seen auch "Spiaggias". Spiaggas sind öffentlich zugängliche Strandbereiche. Für euch haben wir mal beides unter die Lupe genommen. Denn auch hier: Viele offene Fragen. Wie kann der Abstand eingehalten werden? Nach unserem Supermarktbesuch: Wird er überhaupt eingehalten?

Als erstes empfängt einen wie überall ein sehr bestimmendes Schild am Eingang. Abstand halten, Masken tragen und Handschuhplicht ist sehr plakativ dargestellt. Leider hält sich keiner dran! Niemand trug in diesem Lido eine Maske oder gar Handschuhe.

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In kompletter Montur, als würden wir nun eine Veterinäruntersuchung an einer Kuh vornehmen, ging es für uns also an den Strand (Kurios!). Angekommen ein eher entspanntes Bild. Der Lido war leer und der öffentliche Strand nebenan war zwar gut besucht, aber die Leute hielten wenigstens den Abstand ein. Auch hier sogar Regeln wie man sich im Wasser verhalten soll. Ferner wurden die Liegen in bestimmten Bereichen angeordnet um den Abstand einzuhalten.

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Wir blieben nicht und fuhren weiter am See entlang. Als alte "Lago d'Orta-Profis" kennen wir nach Jahren die ein oder andere Ecke an der man so gut wie nie auf jemand anderen trifft - genau das brauchten wir jetzt. Aufgrund der doch noch sehr chaotischen Situation hier im Land entschieden uns die nächsten Tage ruhiger anzugehen und den See zu genießen. Eigentlich war geplant über Barolo und Alba weiter nach Ligurien ans Meer zu fahren.

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Der erste Restaurantbesuch

Auch hier waren wir sehr gespannt wie die geltenden Corona-Maßnahmen umgesetzt (oder auch nicht) werden. Wie in Deutschland auch wird man zum Tisch geleitet. Maskenpflicht - klar, aber keine Handschuhe waren nötig. Am Tisch konnte die Maske natürlich abgenommen werden. Wir bestellten Getränke und warteten auf die Speisekarte. Der Kellner kam und fragte direkt was wir essen wollten und deutete auf seinen Notizblock. Was wir nicht wussten war, dass man einen QR-Code scannen mussten der am Teelicht befestigt war, um die Speisekarte auf seinem Smartphone zu sehen. FAIL! Aber auch eine sinnvolle Corona-Maßnahme, wie wir finden.

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Fazit zum Urlaub in Italien im Juni 2020

Ich will ehrlich sein, Piraten! Ich bin gemischter Gefühle bei dem Thema. Nachdem ich nun hier war, bzw. noch hier bin, würde ich einen Urlaub hier NICHT uneingeschränkt empfehlen. (Eher 70/30 --> 70 aber Pro Urlaub)

Es ist traumhaft ruhig und wenig Touristen sind unterwegs. Die Innenstädte sind toll im Moment. Man stelle sich Venedig oder Rom ohne Touristen aus aller Welt oder die Amalfiküste ohne Kreuzfahrt-Touris vor. Wer Italien sehen will sollte dies jetzt tun. Die Strände sind noch leer und die Hotels günstig.

Man sollte sich aber auch der Situation bewusst sein. Das Corona-Virus und seine Folgen werden uns noch lange - womöglich viele Jahre - beschäftigen. Wer jetzt reist muss vorher genau recherchieren und sich darüber klar werden, was auf einen zukommt. Ich will nicht sagen, dass die Italiener generell die Regeln missachten, aber aufgefallen ist es uns nun einmal.

Als Touristiker ist es für mich natürlich hart zu sehen was gerade im Hotel- oder Gastgewerbe abgeht. Hier werden Existenzen zerstört. Ohne Gäste keine Aperitivos und keine Infinitypools mehr für uns alle! Wir wohnten eine Woche lang in einem leeren Hotel. Die junge Besitzerfamilie mit dem kleinen Sohn wohnt im Obergeschoss. Das ist traurig, Piraten!

Meine Einschätzung: Persönlich würde im Moment noch von einer Reise nach Mailand oder Rom absehen, dafür aber Sizilien, Sardinien oder die Seen im Norden empfehlen.

Wie bei allem gilt: Schaltet euren natürlichen Menschenverstand ein!

Ciao Piraten! Euer Marc

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P.S. Wer Fragen zu Italien, der Situation oder Ähnlichem hat kann mir jede Frage gerne in den Kommentaren oder unseren SoMe-Kanälen stellen.

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