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Im Juli 2020 nach Sizilien - Wie sich Reisen derzeit anfühlt

Ein Deal von , 7. Jul. 2020 17.17 Uhr

Ahoi Piraten,

in den Kommentaren stellen wir immer wieder fest, dass viele von euch verunsichert sind, was den Sommerurlaub in diesem Jahr angeht. Deshalb haben wir uns entschieden, euch ein bisschen von unseren ersten Sommertrips zu berichten, damit ihr zumindest mal einen kleinen Eindruck davon gewinnen könnt, wie die Lage an einigen beliebten Reisezielen derzeit ist.

Flugstreichung und flexible Umbuchung

Ich bin gerade auf Sizilien, sitze an einem Strand an der Ostküste mit Blick auf den Ätna und schreibe ein paar Zeilen zu meiner Reise. Ich will aber auch nicht verschweigen, dass der Trip ursprünglich gar nicht so geplant war, sondern mich eigentlich für ein Wochenende nach Madrid geführt hätte. So hatte ich es zumindest vor einem Jahr gebucht. Nun hatte Easyjet aber leider kürzlich die Flüge dorthin storniert. Zwar gibt es in Spanien keine Einreisebeschränkungen mehr, aber die Nachfrage war wohl viel zu gering.

Glück im Unglück: Wenn Flüge gestrichen werden, kann man sie bei Easyjet einfach online auf ein anderes Datum und ein anderes Ziel umbuchen, ohne einen Aufpreis zu zahlen. Selbst einen Flug nach Ägypten an einem teuren Termin wie Weihnachten hätte ich also nehmen können. Aber nach der langen Corona-Pause wollte ich endlich wieder reisen und so fiel meine Wahl auf Sizilien, genauer gesagt, Flüge nach Catania.


Tipp 1: In diesem Sommer haben wir eine besondere Situation, daher können sich Flugverbindungen auch mal ändern. Gerade die Billigflieger benachrichtigen euch oft erst 7-14 Tage vor dem ursprünglichen Abflug, falls euer Flug gestrichen wird. Wenn ihr also etwas mehr Planungssicherheit wollt, guckt einfach mal ab und zu auf der Website der Fluggesellschaft, ob eure Flüge theoretisch noch buchbar wären. Wenn die Route an keinem Wochentag mehr buchbar ist, kann das ein Hinweis darauf sein, dass die Strecke in diesem Zeitraum ausgesetzt ist.


Noch mal kurz zurück zur ursprünglich geplanten Reise: Für das Hotel in Madrid hatte ich damals leider eine nicht stornierbare Rate gebucht, da die meist deutlich preiswerter sind. In solchen Situationen ist es sinnvoll, einfach mal direkt ans Hotel zu schreiben und die Situation zu erklären. Zwar gibt es in der Regel nicht das Geld zurück, aber in meinem Fall konnte ich den Aufenthalt auf ein beliebiges Datum in den nächsten 12 Monaten verschieben.


Vor dem Abflug

Dass auf allen Flügen Maskenpflicht herrscht, hat sich ja mittlerweile rumgesprochen. Weniger bekannt ist, dass viele Ziele rund ums Mittelmeer verlangen, dass man sich vor der Reise registriert. Für Italien muss man nur ein Formblatt ausdrucken und ausfüllen, in dem man bestätigt, dass man keine Symptome hat und keinen Kontakt zu einem COVID-19-Kranken hatte. Sehen wollte das letztendlich aber bisher niemand. Für Sizilien (ebenso für Sardinien, Kalabrien und Apulien) gibt es noch die Sonderregel, dass man sich vor der Reise eine App runterladen soll, in der man ein paar Angaben zur Reise macht (Zeitraum, Herkunft, Unterkuntsadresse). Seitdem ich hier bin, fragt mich die App nun einmal am Tag, wie es mir geht und zeigt mir eine Nummer, an die ich mich wenden soll, wenn ich Corona-Symptome entwickle. Man fühlt sich dadurch aber nicht belästigt und auch wenn ich nichts anklicke, passiert nichts.


Tipp 2: Informiert euch vorher online, ob ihr irgendetwas ausfüllen oder runterladen müsst.


Eine Sonderregel gab’s noch für den Flug: Italien stört sich daran, dass das Ein- uns Aussteigen im Flugzeug so lange dauert, wenn alle erst noch ihr Gepäck verstauen. Oft steht man dabei eng and eng mit vielen anderen Fluggästen. Daher hat man die Benutzung der Gepäckfächer einfach kurzerhand komplett verboten. Erlaubt ist auf Flügen von und nach Italien also vorerst nur noch eine Tasche, die unter den Vordersitz passt. Alle größeren Trolleys bekommen am Gate ein Label und kommen in den Frachtraum.


Am Flughafen

Normalerweise gehöre ich eher zu der Sorte Passagiere, die erst auf den letzten Drücker am Flughafen erscheinen, aber diesmal bin ich auch die empfohlenen 2 Stunden vorher dort gewesen und das war auch ganz gut so. Zwar gibt’s momentan noch nicht so viele Reisende wie sonst, aber die Sicherheitskontrolle dauert deutlich länger als sonst. Die Sicherheitsleute sind nämlich angewiesen, niemanden anzufassen und daher kann es passieren, dass manch einer mehrmals durch den Detektor muss. In Berlin-Tegel war es außerdem so, dass man erst dann sein Handgepäck aufs Band legen durfte, wenn der Vordermann ganz am Ende des Bandes alle seine Sachen zusammengepackt hatte und losgegangen war. Dadurch hat es schon gut viermal so lange gedauert.


Tipp 3: Seid zwei Stunden vor Abflug am Flughafen, selbst, wenn ihr nur Handgepäck habt.


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Der Flug

Der Flug selbst war nicht viel anders als sonst. Die einzigen Unterschiede waren, dass jeder eine Maske trug und die Toilette regelmäßig gereinigt wurde. Außerdem gab es keinen Bordverkauf, also auch kein Essen oder Getränke, maximal Wasser (auf Nachfrage). Ich persönlich empfinde das bei manchen Airlines sogar als Verbesserung, wenn nicht ständig jemand durch läuft und Lose oder Zigaretten anbietet.


Tipp 4: Nehmt euch ein bisschen Verpflegung für den Flug mit. (Natürlich ist kein riesiger Picknickkorb angebracht, da ihr ja so lange wie möglich die Maske auflassen sollt.)


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Ankunft in Sizilien

Am Flughafen von Catania gab es keine besondere Einreisekontrolle. Am Eingang zu den Gepäckbändern standen zwei Leute an einem kleinen Tischchen auf dem eins von diesem kontaktlosen Fieberthermometern lag, die man vor die Stirn halten kann. Im Flughafen galt genau wie im Flieger noch überall Maskenpflicht. An den Mietwagenschaltern waren Plexiglasscheiben zum gegenseitigen Schutz angebracht, unter denen man dann seine Buchungsbestätigung und die Kreditkarte für die Kaution hindurch schob.


Vor Ort

Spätestens ab hier fühlte es sich nun von den Corona-Bedingungen her kein bisschen anderes an, als in Deutschland. Geschäfte darf man nur mit Maske betreten, bei manchen Supermärkten konnte man notfalls auch eine am Eingang kaufen (1 Euro). Sobald man sich im Freien aufhält, kann jeder seine Reise aber genauso genießen wie sonst auch. Man flaniert durch die Gassen, isst sein Eis oder genießt leckere Pasta im Außenbereich der Trattorias ohne irgendwie eingeschränkt zu sein. Die Kellner tragen Masken und zum Teil kann man die Speisekarten auch digital auf dem Smartphone lesen (per QR-Code). Mancherorts wurden die Toiletten so umgerüstet, dass man Wasser und Seife kontaktlos bedienen kann.

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Restaurant: Osteria Enoteca Ristorante in Noto


Tipp 5: Wie in Deutschland, habt am besten immer eine Maske dabei.


Was sonst noch auffällig war: Es waren fast nur einheimische Touristen unterwegs. Die kleinen Gassen der sehenswerten Altstädte von Syrakus und Noto waren abends nicht überfüllt und man hört so gut wie nur italienisch um sich herum.

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Links: Syrakus; rechts: Noto


Unterkunft

Für die meisten Nächte hatte ich mir eine kleine Ferienwohnung direkt am Meer gebucht. Hier muss man auf keine Abstände oder Sonderregeln achten und hat komplett seine Ruhe. Ausgesucht hatte ich sie vor allem wegen des traumhaften Ausblicks. Gekostet hat sie auch jetzt in der eigentlich Hauptsaison knapp 70 Euro für zwei Personen pro Nacht.

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Unterkunft buchen

Um auch mal zu erleben, was sich bei Hotelaufenthalten geändert hat, hab ich für die letzte Nacht in einem 4-Sterne-Hotel am Stadtrand von Catania gebucht. Das Hotel hatte eine Poolanlage und einen Badeplattform mit Liegen direkt am Meer. Hier kurz alle Sondermaßnahmen die mir aufgefallen sind:

  • Desinfektionsspender am Eingang des Hotels und noch mal am Eingang zu den Restaurants
  • Schutzscheiben an der Rezeption
  • Markierungen auf dem Boden vor der Rezeption
  • an der Zimmertür klebt ein Siegel, auf dem steht, dass das Zimmer mit Ozon sterilisiert wurde (im ersten Moment riecht es etwas nach Reinigungsmitteln, aber nach einer Weile verfliegt das)
  • im Zimmer gibt es keine Hotelprospekte
  • für die Poolanlage und die Plattform am Meer muss man seine Liege vorher reservieren (aber wegen der geringen Auslastung klappt das auch noch spontan)
  • UND: das Hotel ist allerhöchstens zu einem Viertel belegt

Tipp 6: Lest vorher auf der Hotel-Website nach, mit welchen Maßnahmen derzeit zu rechnen ist oder schreibt eine Mail an das Hotel.


Meine Zimmerrate beinhaltete auch ein Frühstück. Deshalb hier auch noch mal ein Hinweis zum Ablauf. In diesem Hotel wurde von Buffet auf À La Carte umgestellt. Das heißt, es gab ein FrühstücksKarte von der man sich eine bestimmte Anzahl an Speisen bestellen konnte, die dann an den Platz gebracht wurden. In anderen Hotels gibt es unter anderem aber auch diese Varianten:

  • Buffet hinter Glas, Angestellte reichen einem das, was man möchte
  • Buffet hinter Glas, Kellner bringen einem das Gewünschte an den Platz
  • in Hotels mit sehr hoher Auslastung bestimmte Zeitslots, in denen man sein Essen einnimmt

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Four Points by Sheraton Catania ab 66€ pro Zimmer pro Nacht inkl. Frühstück

Hotel buchen


Strände

Bei dem Thema kann man schlecht verallgemeinern, es gab solche und solche: Fontane Bianche, der laut Reiseblogs einer der schönsten Strände der Ostküste Siziliens sein soll, war ziemlich überlaufen und die Liegen standen ganz schön dicht beieinander. Auch unabhängig von Corona wäre das nicht gerade meine Vorstellung von einem Traumstrand, aber da sind die Vorlieben ja unterschiedlich. Viel besser haben mir die Naturstrände im Vendicari Schutzgebiet gefallen. Nach dem Parken läuft man dort noch 10-15 Minuten, entweder zum Calamosche (optisch richtig schön, eine kleine, von Felsen eingefasste Bucht) oder zum Marianelli (eine weitläufige Bucht, ganz am linken Rand FKK, ganz rechts LGBT). Hier gibt’s keine Verkaufsstände, aber Platz genug, so dass jeder den Abstand einhalten kann, den er möchte. Man kann zwischen beiden Stränden auch wechseln, dafür läuft man gute 20 Minuten. Die Wege schlängeln sich aber ein bisschen und sind nicht ausgeschildert - die Satellitenansicht von Google Maps hilft hier weiter.

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Links oben: Fontane Bianche; links unten: Marianelli; rechts: Calamosche


Mein Fazit

Ich fliege oft und gern, seit vielen Jahren. Am Flughafen kam aber auch bei mir derzeit kein Reisefeeling auf, die Stimmung war eher ein bisschen gedrückt. Als ich die Anreise allerdings hinter mir hatte, konnte ich die Reise unbeschwert genießen. Ich empfand es sogar als Vorteil, dass momentan nicht viele Touristen unterwegs sind. Vor allem Individualreisende, die in Ferienwohnungen und AirBnBs übernachten, werden kaum einen Unterschied zu früheren Reisen feststellen. In Hotels jedoch gibt es einige Maßnahmen, auf die man sich einstellen muss.

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