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Bericht: Von Rostock bis nach Stockholm - Infos zur aktuellen Reisesituation in Schweden

Ein Deal von , 13. Aug. 2020 11.00 Uhr

Ahoi Piraten,

Die ersten Kurztrips und kleineren Reisen haben die meisten von uns bereits gesund hinter sich gebracht. Doch einige Länder stehen immer noch für viele auf der Tabu-Liste, darunter die Perle des Nordens: Schweden. Ich habe mich also Ende Juni aufgemacht, um herauszufinden, ob die Sorgen in meinem Umfeld berechtigt sind und wie das seit Corona weltweit kritisch beäugte Land wirklich mit der Pandemie umgeht.

Anreise

Die Anreise nach Schweden war im Juni ein eher schwieriges Unterfangen. Es gab es noch keinerlei Flüge, weswegen ich mich für die Fähre entschied. Mögliche Abfahrtshäfen sind Rostock (Warnemünde), Travemünde und Kiel. Die Fahrt mit der Fähre dauert je nach Strecke zwischen 6 und 14 Stunden. Die Route, für die ich mich entschied, geht von Rostock nach Trelleborg ist mit 6 Stunden die Schnellste. Die anderen möglichen Zielhäfen sind Malmö oder Göteborg (circa 14 Stunden von Kiel). Die Preise variieren je nach Strecke, Anbieter und wie frühzeitig man bucht. Meine Übernachtsfahrt mit TT Lines für 19,90 € war dabei definitiv ein Piratentreffer. Beachtet aber, dass ihr euch mit dem einfachen Economy-Ticket nur in der Lobby oder an Deck aufhalten könnt. Für Ruhesessel, Schlafkojen oder Schlafkabinen zahlt ihr zusätzlich.

Maskenpflicht herrschte zu diesem Zeitpunkt lediglich im deutschen Fährterminal und beim Einstieg. Während der Fahrt muss keine Maske getragen werden. Dafür steht in allen öffentlichen Bereichen Desinfektionsmittel zur Verfügung sowie Abstandsmarkierungen beim Einlass und (ggf.) bei der Sitzplatzvergabe.

Die anderen Fähranbieter, die von Deutschland nach Schweden übersetzen, sind Finnlines und Stena Line. Um sicher zu sein, dass ihr den günstigsten Preis gefunden habt, bucht ihr am Besten direkt auf der Website des Anbieters.

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Mittlerweile gibt es auch wieder Flüge von Deutschland nach Schweden. EasyJet fliegt beispielsweise von Berlin und Basel, Lufthansa von München und RyanAir von Düsseldorf nach Stockholm. Wer den Süden von Schweden, Skåne, bereisen möchte, fliegt am Besten nach Kopenhagen, von wo es nur 45 Minuten Zugfahrt nach Malmö sind. Hier könnt ihr Flüge suchen, Preise vergleichen und buchen.

Bei der Ein- und Ausreise über Dänemark sind die sich in den letzten Monaten häufig ändernden Einreisebestimmungen zwischen Dänemark und Schweden zu beachten. Um aktuelle Informationen zu finden, schaut ihr am Besten auf politi.dk, der dänischen Police-Website.

Unterkunft

Ich persönlich habe bei meiner Reise von Malmö nach Stockholm meist private Unterkünfte, AirBnb oder Camping genutzt. In Hotels, Hostels oder Bed & Breakfasts unterzukommen, ist aber derzeit in Schweden auch kein Problem. Unter Einhaltung der staatlichen Hygienerichtlinien sind Unterkünfte, inklusive Camping-Plätze, für Touristen geöffnet. Frühstück kann in Buffetform serviert werden, allerdings müssen Handschuhe und Desinfektionsmittel bereit stehen.

Im Sommer ist Zelten in Schweden sehr beliebt, weswegen Campingplätze häufig überfüllt oder ausgebucht sind. Daher mein Tipp: Wild campen. Das ist in Schweden nämlich legal. Es gibt nur wenige Ausnahmen (z.B. National oder Naturparks), wo explizit darauf hingewiesen wird, dass Camping nicht erlaubt ist. Übrigens ist zelten in Schweden selbst auf Privatgrundstücken erlaubt, zumindest für 24 Stunden. Es gibt in Schweden nämlich ein Gesetz, das besagt, ein Land darf zwar einer Person gehören, muss aber trotzdem jedem Bürger frei zur Verfügung stehen.

Reisen im Inland

Ich war in Schweden eigentlich die ganze Zeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Maskenpflicht gibt es keine, aber Abstandsregelungen, das heißt bestimmte Sitzplätze werden abgesperrt und und Busse teilweise nicht vollständig ausgebucht. Die Züge waren ziemlich leer, als ich in Schweden gereist bin. Ob das generell in Schweden so üblich ist oder die Leute zu der Zeit besonders vorsichtig waren, was das Nutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln anging, ist schwer zu sagen. Ich persönlich genoss es jedenfalls, ruhige längere Fahrten mit dem Bus oder der Bahn ohne Atemmaske zu unternehmen und dabei aus dem Fenster zu schauen und die weiten grünen Felder zu bestaunen.

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Einige Städte im Süden Schwedens, wie Malmö und Lund, sind außerdem ein echtes Paradies für Radfahrer. Malmö gilt sogar als eine der fahrradfreundlichsten und grünsten Städte Europas, weswegen ich jedem Outdoor-Fan nur empfehlen kann, hier mal eine Runde durch die Innenstadt und anschließend weiter zum Strand und entlang der langen Promenade zu radeln. Hier herrscht reges Treiben und bei gutem Wetter richtig Strand-Atmosphäre. Kite-Surfer verausgaben sich auf dem Wasser, Kinder und Familien plantschen und junge Pärchen sitzen auf der Wiese bei einer "Fika" (schwedische Brotzeit) und picknicken. Über das Unternehmen "Malmö by bike", was überall in der Stadt verteilt Stationen zum Abholen und Abgeben von Fahrrädern zur Verfügung stellt, könnt ihr ganz einfach Fahrräder ausleihen. Der 24-Stunden-Pass ist für 80 SEK (circa 8 €) erhältlich, oder der 72-Stunden-Pass für 165 SEK (circa 16 €).

Alltag und Entertainment

Der Alltag in Schweden scheint weitestgehend wenig von der Corona-Pandemie betroffen. Schulen, Supermärkte, Shops und Restaurants haben geöffnet, einige mit verkürzten Öffnungszeiten. Auch Museen sind überwiegend geöffnet, häufig muss man jedoch vorher online reservieren, weil nur eine bestimmte Anzahl an Besuchern gleichzeitig zugelassen werden. Tipp: Viele staatliche Museen sind in Schweden kostenlos, darunter das Historische Museum Stockholm sowie die Modernen Museen in Stockholm und Malmö. Falls ihr mal eine gute Schlechtwetter-Alternative braucht...

Veranstaltungen mit einer Teilnehmerzahl von über 50 Personen dürfen derzeit im ganzen Land nicht stattfinden - demnach sind Konzerthallen, größere Theater und Clubs in der Regel geschlossen und Festivals größtenteils abgesagt. Besonders Besucher der Musik- und Kulturmetropole Malmö (genannt "Little Berlin") und Partyurlauber in Stockholm sollten diese Einschränkungen berücksichtigen. Das Nachtleben spielt sich stattdessen in Bars und Parks ab.

Maskenpflicht gibt es weder auf der Straße, noch in Geschäften, Bars oder Restaurants.

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Outdoor-Aktivitäten

Das schwach besiedelte Land Schweden ist neben den Städten Göteborg, Stockholm und Malmö vor allem für seine unberührte Natur bekannt. Nicht nur die Schweden lieben es in ihrem Land abseits der Zivilisation in wilder Natur zu urlauben.

Die Region Skåne ist aufgrund der Skåneleden besonders bei Wanderern beliebt. Die Skåneleden sind sechs Teilwanderwege, aus über 100 Etappen bestehend, in denen man sowohl Tageswanderungen als auch mehrtägige Wanderreisen unternehmen kann. Ob flache Strecken entlang von Felder, Seen und Gärten im Landesinneren oder abenteuerliches Trekking entlang der wunderlichen Landschaft am Meer - bei der insgesamt 1300 Kilometer langen Wanderroute ist für jeden was dabei! Mehr Informationen zum Wandern auf den Skåneleden findest du hier.

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Auch Wassersportler kommen in Schweden auf ihre Kosten: In Malmö und Umgebung, auf der Insel Öland und in Kalmar gibt es tolle Spots, um sein Kite auszuführen oder einen Beginner-Kurs zu absolvieren. Die vielen Schärengärten vor der Küste Schwedens sind außerdem perfekt zum Segeln geeignet. Besonders gut Segeln kann man an der Westküste (von Göteborg bis hoch nach Norwegen) und im Archipel vor Stockholm.

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Eine letzte nicht mehr wirklich als Geheimtipp zu bezeichnende Wassersport-Aktivität in der südlichen Hälfte von Schweden ist das Kanu- und Kajakfahren. Wer das Naturschutzgebiet Kullaberg vom Wasser aus erkundet, kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus: Überall mystische Grotten, Klippen und eindrucksvollen Felswanderwege mit Aussicht.

Für eine gemütliche Kajakexpedition von Stockholm aus, empfehle ich mit der Fähre nach Dalarö runterzufahren und dort ein Kajak zu leihen. Zwischen unbewohnten kleinen Inseln, Felsen, Wäldern und kleinen Strandabschnitten im Inselarchipel herumzupaddeln, kann das "Pricken över i" (i-Tüpfelchen) jedes Stockholmbesuchs sein.

Wer im Landesinneren unterwegs ist, sollte sich eine Kajak- oder Kanutour auf dem drittgrößten See Immeln nicht entgehen lassen. Auf dem See liegen über 200 Inseln und viele seltene Vögel haben hier ihr zu Hause.

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Ist die Ansteckungsgefahr mit Corona in Schweden höher als anderswo?

Im Süden von Schweden war die Zahl der Infizierten verhältnismäßig niedrig. In letzten Wochen ist auch im restlichen Land die Infektionsrate stark gesunken, weshalb Schweden seit dem 14. Juli nicht mehr zu den Risikogebieten von COVID-19 zählt. Auch wenn es oftmals so dargestellt wird, schien es mir nicht so, als würde Schweden die Pandemie ignorieren, sondern eher, als würden die Leute sich strikter an die Empfehlungen der Regierung halten. Schilder mit Verhaltensempfehlungen, um die Ausbreitung von COVID-19 zu reduzieren, befindet sich überall. Dort wird auf gründliches Händewaschen, das Einhalten von 1,5 m Abstand und das Vermeiden von nicht notwendigem Zusammenkommen von Gruppen hingewiesen. Außerdem wird deutlich empfohlen, das Gesicht nicht zu berühren und bei Erkältungssymptomen zu Hause zu bleiben.

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Ich persönlich habe auf meiner 6-wöchigen Reisen von Rostock nach Stockholm die angstfreie und entspannte Atmosphäre im Land sehr genossen. In einem schwach besiedelten Land wie Schweden begegnet man generell seltener großen Menschenansammlungen. Außerdem sind August und September die perfekten Monate, um bei angenehmen 20 bis 25 Grad Outdoor-Aktivitäten zu erleben oder an traumhaften Sandstrände zu entspannen - frei von ausländischen Touristen und ganz im Einklang mit Schwedens einzigartiger und vielseitiger Natur.

Die Schweden, die ich getroffen habe, waren freundlich, zuvorkommend und sichtlich erfreut, ein paar Besucher aus dem Ausland begrüßen zu dürfen. Viele Geschäfte und Hotels leiden nämlich auch in unter dem Mangel an Tourismus und sind deshalb derzeit besonders günstig.

Mir hat das alles so gut gefallen, dass ich nach einer Woche Deutschland wieder zurück nach Stockholm geflogen bin, um ein verlängertes Wochenende im Insel-Archipel vor der Hauptstadt herumzusegeln und den schwedischen Familien mit ihren weißblonden braungebrannten Kindern beim Nacktbaden zuzusehen! ;)

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