Sonstiges

Beelitzer Heilstätten - marode Gebäude und ihre magische Anziehungskraft

Ein Deal von , 21. Mär. 2016 10.56 Uhr

Beelitzer Heilstätten - marode Gebäude und ihre magische Anziehungskraft - 6

Jeder Berliner kennt sie - die Beelitzer Heilstätten. Und folglich kenne auch wir sie. Immer mal wieder von gehört, immer mal wieder abenteuerliche Geschichten gelesen und immer mal wieder die gespenstischen Bilder im Internet gesehen. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, ehe es uns dorthin verschlägt. Was wir dort erlebt haben, ist mit "gespenstisch" ganz gut beschrieben.

Voller Tatendrang ging es erstmal vom Berliner Hauptbahnhof ca. 45 Minuten mit der Regionalbahn nach Brandenburg. Davon ausgehend, dass eh kein Gebäude frei zugänglich sein würde, waren wir recht ruhig und wollten uns einfach mal überraschen lassen. Zuerst aber kurz noch ein Abriss zur Geschichte. Der Komplex, der aus 64 denkmalgeschützten Gebäuden besteht, wurde zwischen 1898 und 1930 errichtet. Einst waren die Beelitzer Heilstätten ein Vorzeige-Krankenhaus, das zu den größten und modernsten seiner Art gehörte. Hier wurden Patienten, die an Tuberkulose erkrankten, behandelt.

Beelitzer Heilstätten - marode Gebäude und ihre magische Anziehungskraft - 4

Die Anlage wurde über die beiden Weltkriege hinweg mehr oder weniger zerstört, trotzdem aber weiterhin bis 1994 als Militärhospital der ehemaligen Sowjetunion genutzt. Anschließend wurden die Beelitzer Heilstätten sich selbst überlassen. Die Gebäude sind verfallen und marode. Vandalismus gehört hier zum Alltag.

Durch die beklemmende Atmosphäre, die die imposanten Häuser ausstrahlen, kommt es teilweise zu unerklärlichen Wahrnehmungen einzelner Besucher. Es wäre ja auch gelacht, wenn es in solchen Gebäuden nicht spuken soll. Angeblich kann man in den Gängen Schritte hören, Türen öffnen und schließen sich, ohne dass auch nur der Hauch eines Luftzuges im Raum zu verspüren ist. Angeblich soll man sogar Schreie aus der ehemaligen Chirurgie hören können, wo die Patienten häufig ohne Narkose operiert wurden. Zudem trieb von 1989 bis 1991 ein Serien-Mörder hier sein Unwesen. Der sogenannte "Rosa Riese" tötete auf dem Gelände 6 Frauen und verging sich an deren Leichen (er hinterließ an seinen Tatorten jeweils rosa Unterwäsche). Und als wäre das nicht genug, ermordete in den Beelitzer Heilstätten ein Fotograf sein Modell und verging sich später ebenfalls am toten Körper.

Beelitzer Heilstätten - marode Gebäude und ihre magische Anziehungskraft - 2

Betritt man das Gelände, läuft einem ein Schauer über den Rücken, ohne zu wissen, warum. Klar, die Gebäude sehen umwerfend aus und haben Charme, aber tagsüber sind und bleiben es eben einfach nur Ruinen. Steht man aber erst nur ein paar wenige Meter vor den riesigen Häusern und blickt ins tiefe Dunkel der Fenster, wird einem Angst und Bange. Die Phantasie geht regelrecht mit einem durch.

Man kann an Führungen teilnehmen und einen Einblick vom Inneren des Gebäude erhalten. Die beliebteste Tour führt durch das Herzstück der gigantischen Anlage. Die Chirurgie hat etwas Bedrohliches an sich. Trotzdem kann man sich ihrem Charme kaum erwehren und ist vor Vorfreude ganz aufgeregt, ehe es in der Gruppe in die verlassene Ruine geht. Endlose Korridore und Putz, der von den Decken fällt - irgendwie ist das Gebäude schaurig schön. Es ist interessant, zu hören, welche Geschichten sich in diesen Gängen abspielten. Man wird nahezu ein wenig wehmütig, dass die Anlage dem Verfall überlassen wird. Die Beelitzer Heilstätten stehen unter Denkmalschutz und Investoren gibt es leider nicht wie Sand am Strand. Aber vielleicht können die Gebäude eines Tages wieder zu neuem Glanz erstrahlen.

Beelitzer Heilstätten - marode Gebäude und ihre magische Anziehungskraft

Beelitzer Heilstätten - marode Gebäude und ihre magische Anziehungskraft