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Tschernobyl: Besucher bekommen Zutritt zum Unglücksreaktor

Ein Deal von , 14. Okt. 2019 16.00 Uhr

Die ganze Welt hielt den Atem an, als bekannt wurde, dass am 26. April 1986 der Reaktor Nr. 4 des Kernkraftwerkes in Tschernobyl explodiert ist. Der erste Super-Gau der Weltgeschichte sollte wohl für immer im Kollektivgedächtnis der Menschheit bleiben.

Am 27. April - erst einen Tag nach der Explosion, werden die Bewohner von Pripjat evakuiert. Die knapp 50.000 Einwohner zählende Stadt liegt nur drei Kilometer entfernt von Block 4. Tage nach der Katastrophe wurde ein Sperrgebiet mit einem 30-Kilometer-Radius um den Reaktor errichtet. Hunderttausende Menschen mussten ihr Zuhause verlassen. Zurück geblieben sind Wohnungen, Krankenhäuser und Kindergärten, in denen alles stehen und liegen gelassen wurde.

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Seit einiger Zeit kann das Sperrgebiet bei professionellen Touren besichtigt werden. Die Besucherzahlen steigen stetig an, nicht zuletzt auch durch den Erfolg der Serie "Chernobyl". Ziel der ukrainischen Regierung ist es seitdem, Tschernobyl touristisch zu etablieren. Nicht ohne Grund, denn kein anderer Ort auf unserem Planeten bietet einen derartigen Einblick in die Vergangenheit: Der marode Vergnügungspark, die leeren Operationssäle und der Stapel an Hausaufgaben in den Gängen der Schulen. Es sind verstörende Bilder, die einem kalte Schauer über den Rücken laufen lassen.


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Doch ab sofort wird der Dark Tourism auf eine neue Stufe gehoben. War es bisher nur möglich, die verlassenen Orte im Sperrgebiet zu besuchen (in diesem Fall ist die Strahlendosis an einem Tag geringer als bei einer Röntgenaufnahme), hat die Regierung nun den Kontrollraum des Unglücksreaktors für Besuchergruppen freigegeben. Bislang war das Betreten des stark verstrahlten Raumes nur ausgewählten Personen, darunter Wissenschaftlern, gestattet.

Erste Fotos, die englische Medien veröffentlichten, zeigen Besucher in weißen Anzügen, Helm und Atemgerät. Der Besuch soll nur wenige Minuten andauern. Zum Strahlenschutz werde zudem regelmäßig eine Chemikalie versprüht, die den radioaktiven Staub am Aufwirbeln hindere.

Die Nachfrage nach Touren auf dem Gelände ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Mehrere tausend Menschen haben bereits an einer Führung auf der Anlage teilgenommen und so unter anderem Pripyat besichtigt. In Zukunft sollen weitere Touren hinzukommen und Tschernobyl weiter zur Touristenattraktion werden. Schon jetzt sind 21 neue Routen angekündigt, der Handy-Empfang soll bereits verbessert worden sein.

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Dark Tourism: Trip nach Tschernobyl

Die meisten Touren führen euch zu den Sehenswürdigkeiten in Tschernobyl und Prypjat und dauern einen oder zwei Tage. Besucht werden unter anderem ein Krankenhaus, ein Kindergarten, die Grundschule, eine Polizeistation und ein nie fertig gestellter Vergnügungspark - seit 1986 ist hier alles unverändert. Propaganda aus der vergangenen Zeit bröckelt von den Wänden, alte, kommunistische Monumente und militärische Anlagen versprühen Sowjet-Nostalgie, während die Natur langsam wieder mehr und mehr Raum einnimmt.

Was Besucher an den Touren reizt? Die düstere, morbide Stimmung, aber auch der Erfolg der Serie "Chernobyl" steigert vermutlich die Tourismuszahlen. Wer interessiert ist an der Geschichte des Areals und einer ausführlichen Tour, sollte sich vorher gut über die verschiedenen Führungen und Anbieter informieren.

Strahlung

Die Strahlendosis während eines Tages in Tschernobyl entspricht der Dosis eines internationalen 3-Stunden-Fluges und liegt deutlich unter den Werten einer Röntgenaufnahme.

Anbieter

Achtet auf seriöse Anbieter der Touren und haltet euch ausnahmslos an die Anweisungen und Regeln während eures Aufenthalts im Sperrgebiet. Um sicherzugehen, dass sich keine radioaktiven Partikel an Kleidung oder Schuhen befindet, sollte dies regelmäßig geprüft werden.

Die Tagestouren starten oft in Kiew. Per Bus werdet ihr dann in der Gruppe in die Sperrzone gebracht. Die Kosten für eine Standardtour liegen bei etwa 100 Euro.


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