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Die Elefanten-Flüsterin: Sangduen Chailert ist die Rettung für Thailands Elefanten

Ein Deal von , 18. Dez. 2019 12.59 Uhr

Ob Sri Lanka oder Thailand, ohne sie könnte man sich den Trip nach Südostasien kaum vorstellen. Sie gehören zum allgemein bekannten Bild der Länder, wie postkartenreife Strände und uralte Tempel – Elefanten. 1900 gab es noch stolze 100.000 frei lebende Dickhäuter in Thailand, mittlerweile ist die Zahl auf gerade einmal 5.000 geschrumpft. Und von denen lebt die Hälfte unter teils schrecklichen Bedingungen in Gefangenschaft. Wieso? Weil das zahlungskräftige Publikum, das ins Land reist, von ihnen unterhalten werden will.


Schnell steht das Selfie mit den süßen Baby-Elefanten, das sicherlich genügend Likes auf Instagram einbringt, an erster Stelle. Und das ohne zu wissen, dass sie von ihren Müttern getrennt wurden oder, dass sie in viel zu enge Gehege gesperrt werden. Was die Gäste schnell mal übersehen? Die Narben an den Köpfen der Tiere und das "Handwerkszeug" in den Händen der Elefantentrainer, um die Dickhäuter in Schach zu halten.

Was als Erziehung getarnt wird, liest sich dabei eher wie Folter. Wasser- und Nahrungsentzug, Schläge, Schreie – das Repertoire der Mahouts, so heißen die Trainer, wird so lange ausgeschöpft bis sich die erschöpften Tiere unterwerfen.

Und genau hier kommt Sangduen Chailert, genannt Lek, ins Spiel, die "Elefanten-Mama". Die zierliche Thailänderin ist Ende 50 und hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht die Elefanten zu schützen und gleichzeitig die Touristen aufzuklären. Die sind, wie sie sagt, meist viel zu wenig informiert. Darum schaffte sie einen Zufluchtsort für die Dickhäuter. Etwa 60 Kilometer von Chiang Mai entfernt, befindet sich seitdem der Elephant Nature Park, seinerzeit das erste Elefantenschutzgebiet Asiens. Zwischen Bergen, Wäldern und einem Fluss findet sich hier reichlich Platz, um den Tieren ein sicheres Zuhause zu schaffen.


Die Elefanten, die hier leben, teilen alle eins: ein trauriges Schicksal. Körper übersät mit Narben von Schlägen mit verschiedensten Gegenständen, gebrochene Knochen, einige Tiere sind blind. Hier sollen Besucher genau das sehen, ihnen soll ein Bewusstsein geschaffen werden. In Gruppen werden die Urlauber von Guides durch den Park geführt, kommen ganz nah an die Tiere und dürfen sie auch streicheln.

Lek selbst kam bereits als Kind mit Elefanten in Kontakt. Da ihr Großvater einen besaß, ist sie quasi mit ihnen aufgewachsen und kam ihnen bereits als Kind sehr nah. Nachdem sie als Jugendliche das erste Mal mitbekam, wie ein Elefant gequält wurde, beschloss sie zu handeln. Die verletzten Tiere versorgte sie mit Medizin, versuchte, an das Gewissen der Mahouts zu appellieren. Seit 1996 hat sie 200 Elefanten aus Thailand und benachbarten Ländern gerettet. Die Preise, die sie für die Tiere zahlen musste, die sie aus der Gefangenschaft rauskaufte, haben sich inzwischen mehr als verzehnfacht, Babies kosten umgerechnet um die 28.000€.

Heute leben auf rund 450 Hektar etwa 85 Tiere. Anders als im übrigen Teil des Landes, werden die Mahouts hier nicht mit Haken, sondern mit Beuteln voller Nahrung für die Tiere ausgestattet. Hier soll nicht mit der Angst, sondern mit den Instinkten der Elefanten gearbeitet werden. Lek ist Dreh- und Angelpunkt, die Tiere, die sie wie Menschen behandelt, lieben sie.

Glücklicherweise konnte der Park inzwischen "expandieren". Mittlerweile gibt es nämlich weitere Parks in Kanchanaburi, Suri und Kambodscha. Leks Vision breitet sich aus. Und wer weiß, wenn die Touristen sich von den gequälten Elefanten abwenden, wird diese grausame "Tradition" irgendwann aussterben und die Tiere endlich mit dem nötigen Respekt behandelt.


Die Elefanten-Flüsterin: Sangduen Chailert ist die Rettung für Thailands Elefanten