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Gestrandet in Peru: Ein Erfahrungsbericht von unserer Piratin Leslie

Ein Deal von , 28. Mär. 2020 16.33 Uhr

Ahoi Piraten!

Liebe Grüße aus Peru. Ihr fragt euch vielleicht, was jetzt noch einer zu Coronazeiten auf Reisen macht, aber glaubt mir, ich bin nicht ganz freiwillig hier.

Zum Zeitpunkt meiner Einreise gab es in Peru noch keinen einzigen Coronafall. Neun Tage später wurde vom Präsidenten die komplette Grenzschließung des Landes verkündigt sowie eine Quarantäne für alle Bürger. Nur noch Supermärkte und Apotheken sollen geöffnet haben. Auch eine komplette Ausgangssperre von 21 Uhr bis 5 Uhr wurde eingeführt.

In diesem Moment befand ich mich gerade in Huacachina, einem kleinen Ort, mit ungefähr 100 Einwohnern, mitten in der Wüste. Ich bin dort gerade am Morgen angekommen, nachdem ich einen Freund in Lima verabschiedet hatte. Somit war ich nun auf mich alleine gestellt und beschloss, mit meinen 3 Zimmergenossinnen, die ich an diesem Tag kennen gelernt habe, schnell und bevor die Quarantäne einsetzt mit einem Taxi nach Ica zu fahren und noch einen Bus nach Arequipa zu bekommen. Wir hatten die Hoffnung, dass wir von dort bessere Chancen haben, zurück in unsere Heimatländer zukommen, da dies die zweitgrößte Stadt Perus ist. Allerdings waren bereits alle Bustickets ausverkauft und somit begaben wir uns (nach einer Taxiverfolgungsjagd von verschiedenen Bussen) wieder in unser Hostel mitten in der Wüste.

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Hier verbringe ich meine Quarantäne: Huacachina

Dieses ist - wohlgemerkt - sehr schön und wir dürfen unsere Zimmer verlassen und sogar den Pool benutzen. Doch so ein Glück haben nicht alle. Andere Touristen müssen die komplette Quarantäne, die nun schon fast zwei Wochen geht und gerade auf den 12. April verlängert wurde, auf ihren Zimmer mit Fremden verbringen. Gemeinschaftsräume, die Küche etc. dürfen nicht genutzt werden. Noch schlimmer traf es die, die von ihren Hostels einfach rausgeschmissen wurden, da es sich für diese nicht mehr rentiert, für die wenigen Touristen geöffnet zu bleiben.

Doch auch für uns Touristen ist der Kostenpunkt nicht einfach zu meistern. Viele müssen sich hier jetzt länger aufhalten als geplant. Mein Freund, mit dem ich die Reise begonnen habe, hatte seinen Rückflug für den letzten Tag an dem man noch ausreisen konnte gebucht und trotzdem wurde dieser gecancelt. Die Kosten für sein Hostel hatte er daher nicht kalkuliert. Ein anderes Problem ist zum Beispiel, dass man in meinem Hostel nicht selber kochen kann, sondern bekocht wird. Das schmeckt zwar deutlich besser, ist aber auch deutlich teurer.

Hinzu kommt das teure Rückflugticket, welches 800-1000€ kosten soll. Der Flug nach Deutschland ist kein normaler Flug, sondern muss über den Militärflughafen abgewickelt werden, da Peru anders als andere Länder eine komplette Grenzschließung hat und auch keine kommerziellen Flüge erlaubt. Trotzdem ist für viele Deutsche unverständlich, warum so ein Flug so teuer ist und beispielsweise Israel kostenlose Rückflüge anbietet oder die Flüge aus Peru für UK-Bürger nur ca. 250£ kosten. Familien, Studenten und andere wissen nicht, wie sie die Extrakosten zahlen sollen. Andere Deutsche wiederum haben dafür kein Verständnis und sind froh, dass es überhaupt eine Rückholaktion gibt.

Am Schlimmsten trifft es aktuell die Menschen, die sich in Hostels befinden, in denen Besucher oder sie selbst positiv auf Corona getestet wurden. Abgesehen von der Sorge um die medizinische Versorgung müssen diese sich in eine deutlich längere Quarantäne begeben, können nicht ausreisen und müssen sich mindestens 23 Stunden auf ihren Zimmern aufhalten. Und ihr alle wisst, wie Hostelzimmer aussehen!

Wie gesagt: Bei uns ist die Situation noch entspannt, in unserer Region gibt es kaum Coronafälle und wir dürfen unsere Zimmer verlassen. Doch trotz meines schönen Hostels ist es nicht ganz einfach, mit der Situation fertig zu werden. Wir können das Hostel nicht verlassen, müssen Ruhezeiten einhalten, Alkohol ist verboten und außerdem befindet man sich auf engsten Raum mit fremden Leuten, wo es in einer großen Gruppe in einer Ausnahmesituation durchaus schon mal zu Reibungen kommen kann. All das gepaart mit der Unwissenheit wann man denn nach Hause kommt.

Donnerstag, am 26. März, Tag 11 der Quarantäne, flog das erste Flugzeug nach Deutschland, Freitag das zweite. Das nächste kommt erst wieder am 3.04. Ob man auf diese Maschine kommt, weiß man aber noch nicht. Auch weiß ich noch nicht wie ich nach Lima komme, denn Taxis und Busse gibt es ja keine und Lima ist circa 4-5 Stunden entfernt. Ich hoffe darauf, dass ich, wie andere in meinem Hostel mit anderen Nationalitäten von einem Bus abgeholt werde, jedoch habe ich dazu noch keine Informationen erhalten. Den Kostenpunkt dazu kenne ich ebenfalls noch nicht. Zudem bin ich die einzige Deutsche in meinem Hostel. Wie lange unser Hostel offen bleibt, wenn wir immer weniger werden, ist auch unklar. Es bleibt also spannend!

Gestrandet in Peru: Ein Erfahrungsbericht von unserer Piratin Leslie
Die Wüste um Huacachina zieht normalerweise viele Urlauber an

User-Fragen, die noch nicht im Text beantwortet wurden:

Schützen sich die Peruaner vor Corona mit Masken?

Jein. Der “normale” Mundschutz schützt einen ja nicht, sondern sorgt nur dafür, dass man selber niemanden ansteckt und ja, der wird hier getragen! Alle, die bei uns im Hostel arbeiten, tragen den und in den Nachrichten sehe ich auch immer wieder, das Leute auf der Straße Mundschutz tragen.

Kommt sie mit der Lufthansa Rückholaktion mit?

Ich hoffe doch sehr! :D Ich habe mich für die Rückholaktion von Lufthansa im Auftrag des Auswärtigen Amts angemeldet und alle, die sich dort angemeldet haben, werden über Fortschritte informiert. Leider geht das alles sehr schleppend voran. Ich werde frühesten an Tag 19 meiner Quarantäne rausgeholt, falls ich für diese Maschine ausgewählt werde.

Wieso sitzt man in Peru fest? Es wurde doch früh genug gesagt man soll zurück kommen?

Nicht wirklich, Peru hat von einem auf den anderen Tag einen kompletten lock down gemacht und die Grenzen geschlossen. Es gab nicht wirklich eine Möglichkeit noch nach Deutschland zu kommen (natürlich mit Ausnahmen, einige Glückliche haben es geschafft) und selbst wenn man Flugtickets hatte, die noch vor der Quarantäne und Grenzschließung waren, wurden diese oft gecancelt.

Wie fühlt sich die Lage vor Ort an? Wie reagieren die Menschen dort auf die Situation?

Über meine Lage und die Lage der Touristen habe ich ja schon genug erzählt, daher etwas über die Lage der Peruaner. An sich ist die Lage hier gut, Peru hat sehr vorbildlich und schnell gehandelt (wenn auch nicht zu Gunsten von Reisenden) und daher wenige Coronafälle. Viele Peruaner halten sich jedoch nicht an die Quarantäne, weshalb es schon zu sehr, sehr vielen Festnahmen kam. Unter anderem deshalb wurde die Quarantäne auch verlängert. Auch hier machen sich natürlich viele Gedanken um ihre Zukunft, da Peru kein so reiches Land ist wie Deutschland. Gerade als Europäer wird man hier schon mit etwas Angst angeguckt, weil man ja vielleicht Corona haben könnte. Generell wird die Lage hier meiner Ansicht nach viel ernster genommen. Manche Angestellten unseres Hostels haben sogar ihre Kinder in noch entlegenere Gegenden weggeschickt, damit sie sicher sind.

Kann ich zu Zeitpunkt xy nach Peru reisen?

Einige Fragen von euch haben sich auf Reisen nach Peru bezogen. Dazu kann ich leider keine Auskunft geben. Peru ist eines der Länder, das am drastischsten und strengsten gegen Corona vorgegangen ist. Somit denke ich auch, dass die Situation hier nicht allzu sehr eskalieren wird. Allerdings liegt das Reiseverhalten ja nicht nur an Peru, sondern auch an Deutschland und anderen Ländern. Von daher bleibt abzuwarten wie sich die Gesamtsituation entwickelt.

Wie schmeckt Meerschweinchen?

Bin Vegetarier, sorry! Die Meinungen gehen hier aber auseinander, die meisten die ich kennengelernt habe sind allerdings nicht so begeistert davon. Es soll wohl etwas vergleichbar mit Kaninchen sein, allerdings intensiver schmecken und natürlich einen Eigengeschmack haben.

Was war dein Highlight/Must-See in Peru?

Leider habe ich nicht viel von Peru gesehen. Ich war lediglich in Lima und Máncora und jetzt eben seit einiger Zeit in Huacachina. Weiter bin ich auf Grund der Quarantäne nicht gekommen. Ihr könnt aber mehr über das Land und seine Must-Sees auf unserer Seite über Peru lesen.

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