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Schonmal darüber nachgedacht, eine neue Sprache zu lernen? Wie wäre es mit 25?! Wir haben Matthew Youlden zu seinen Erfahrungen interviewt!

Ein Deal von , 18. Nov. 2020 13.00 Uhr

Matthew Youlden und sein Bruder Michael sind die Superpolyglotbros aus Manchester. Die Zwillinge lebten die letzten zehn Jahre in Berlin, zogen während der Pandemie nach Barcelona und beherrschen 25 Sprachen. Wir haben für Euch mit Matthew gesprochen und ihm seine Erfahrungen zum Thema Reisen und Multilingualität entlockt!


Hallo lieber Matthew, stelle Dich doch bitte kurz vor.

Ahoj Urlaubspiraten-Team (Ahoj heißt „Hallo“ auf Tschechisch, nicht nur in Piratensprache...)! Mein Name ist Matthew Youlden und ich bin einer der Superpolyglotbros, zwei eineiige Zwillinge mit roten Bärten aus Manchester mit einer Liebe für Sprachen! Mein Bruder Michael und ich lieben Sprachen so sehr, dass wir es uns zum Lebensziel gemacht haben, unsere Liebe mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen und zu zeigen, wie jeder eine oder mehrere Sprachen schnell, effektiv und vor allem auf eine lustige Art und Weise erlernen kann!

Mein Bruder und ich haben kurz vor unserem neunten Lebensjahr begonnen, Sprachen zu lernen. Seitdem haben wir uns mehr als 25 Sprachen angeeignet. Unsere Faszination für Sprachen entstand, als unsere Eltern uns einige Monate vor unserem neunten Geburtstag sagten, dass wir mit ihnen einen Urlaub in Griechenland machen würden. Unsere erste Reaktion – ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen – war: Ok, dann müssen wir also Griechisch lernen! Einige mögen das eher ungewöhnlich finden, aber für uns schien es zu dieser Zeit das Logischste zu sein. Wie hätten wir sonst mit anderen Kindern unten am Strand spielen können, wenn wir kein Griechisch gesprochen hätten? Oder wie hätten wir Eis bestellen sollen? Es ist dieser kindliche Ansatz, der uns seitdem dazu geführt und angespornt hat, immer mehr Sprachen zu lernen. Und jede Sprache, die wir gelernt haben, hat es viel einfacher gemacht, danach eine andere zu lernen.

Ich würde daher nicht sagen, dass wir ein bestimmtes, übermenschliches Talent haben, sondern jahrzehntelange Erfahrung im Lernen. Sie hat uns dabei geholfen, unsere eigenen Lern- und Lehrmethoden zu entwickeln und so schneller und effizienter zu lernen.

Schonmal darüber nachgedacht, eine neue Sprache zu lernen? Wie wäre es mit 25?! Wir haben Matthew Youlden zu seinen Erfahrungen interviewt! - 2

Copyright: Superpolyglotbros / Matthew und Michael Youlden


Wie verändert sich die Art zu reisen für Dich, wenn du immer die jeweiligen Sprachen sprichst?

Mehrere Sprachen zu sprechen trägt enorm dazu bei, die Erfahrungen vor Ort zu verbessern, da man sich auf der ganzen Welt automatisch zu Hause fühlt. An Orte zu reisen, ohne bereits die Sprache zu sprechen, ist für mich und meinen Bruder aber auch großartig. Es ist immer eine Herausforderung, die Sprache zu lernen, bevor wir dorthin gehen. Über die letzten Jahre haben wir uns oft Challenges gesucht oder wurden gebeten, wirklich verrückte Dinge zu tun, wie beispielsweise Türkisch in nur sieben Tagen oder Dänisch in fünf Tagen zu lernen (und es dann gleichzeitig dem Moderator von Galileo beizubringen!).

Schonmal darüber nachgedacht, eine neue Sprache zu lernen? Wie wäre es mit 25?! Wir haben Matthew Youlden zu seinen Erfahrungen interviewt!

Copyright: Superpolyglotbros / Matthew und Michael Youlden



Wie viele Länder hast Du bereits bereist?

Ich bin sowohl beruflich, als auch zum Vergnügen viel durch Europa gereist und habe auch Nordamerika mehrmals besucht. Ich würde gerne wieder nach Südamerika reisen und mein größter Wunsch ist es, die Inseln des Südpazifiks zu bereisen. Mein Bruder und ich werden dann nämlich nicht nur an unglaublich schönen Orten sein, sondern würden auch die Möglichkeit haben, die dort gesprochenen Sprachen zu lernen, von denen die meisten polynesisch sind. Das ist eine neue Sprachfamilie, die wir erlernen könnten! Vielleicht könnten wir daraus eine weitere Herausforderung machen – Sprach-Hopping statt Island-Hopping? Wir könnten jede Woche eine Sprache lernen und dann auf diese Insel reisen und bei den Urlaubspiraten darüber berichten.


Nun machte uns Corona einen Strich durch die Rechnung – und du bist sogar während der Pandemie umgezogen. Nach Barcelona. Wie kam es dazu, was hat Dich dazu bewegt?

Die Entscheidung, nach Barcelona zu ziehen, kam einige Monate vor der Corona-Pandemie. Wir lebten seit über zehn Jahren in Berlin und als Sprach-Coaches empfanden wir es als richtig, das tägliche Leben in einer anderen Umgebung zu erleben und unser Geschäft dort weiter auszubauen. Wir wussten, dass wir regelmäßig wegen der Arbeit nach Berlin zurückkehren mussten, was die Entscheidung für einen Umzug viel einfacher machte. Doch dann kam Covid und machte es fast unmöglich, Berlin zu verlassen oder nach Barcelona einzureisen! Wir konnten erst Monate nach unserer ursprünglichen Planung umziehen und mussten bei unserer Ankunft zwei Wochen lang in Quarantäne.

Zum Glück haben wir die meiste Zeit des krassen Lockdowns verpasst. Nachdem die strengsten Beschränkungen gelockert wurden, konnten wir die Stadt und die umliegenden Gebiete mit geringen bis gar keinen Einschränkungen entdecken. Abgesehen natürlich von der Einhaltung der weltweit üblichen Vorschriften. Die Situation in Barcelona und Katalonien im Allgemeinen hat sich seit dem Sommer ähnlich wie im übrigen Europa verschlechtert. Dies hat auch einige Projekte beeinflusst, an denen wir in anderen Ländern gearbeitet haben. Ich schreibe dieses Interview derzeit aus London. Wir hoffen aber das Beste und träumen weiter von den polynesischen Inseln, die wir besuchen können, sobald Covid endlich verschwunden ist!


Warst Du schonmal in einem Land, dessen Sprache Du nicht sprichst? Wie hat es sich für Dich angefühlt?

Ich habe im Allgemeinen schon immer versucht die Sprache zu lernen, bevor ich in ein Land ging. Wenn das nicht möglich war, wollte ich sie spätestens lernen, sobald ich wieder zu Hause war, soviel ist sicher! Wenn ich die Landessprache aber Mal nicht spreche, wird es zu einem Spiel: Ich versuche, die Sprache zu entschlüsseln und zu sehen, wie viel ich durch Kenntnisse anderer Sprachen verstehen kann.


Wie reagieren Einheimische wenn sie merken, dass Du ihre Sprache beherrschst?

Die Reaktionen der Einheimischen waren immer unglaublich positiv, umso positiver, wenn die betreffende Sprache nicht weit verbreitet ist. Außerdem sind sie ein zusätzlicher Motivationsfaktor für das Erlernen einer Sprache: man fühlt sich dadurch noch stärker in die Sprache integriert.

Für Einheimische ist das Sprechen ihrer Sprache, auch wenn es nur ein paar Worte sind, ein Zeichen dafür, dass sich jemand Zeit genommen hat, um etwas über ihre Kultur zu lernen. Sie schätzen es wirklich. Allein diese Wertschätzung ist die Motivation, mit der Sprache weiterzumachen und manchmal kann sie sogar noch mehr Vorteile bringen: Mein Onkel fragte mich einmal, ob ich ihm ein paar türkische Sätze für seinen bevorstehenden Urlaub sagen könne. Einige Wochen später bedankte er sich und sagte, er habe ein Upgrade für sein Hotelzimmer erhalten, weil er den Mitarbeiter an der Hotelrezeption mit seinem Türkisch überzeugt habe!


Was sind Deiner Meinung nach die drei wichtigsten Sätze im Urlaub, die man in jeder Sprache können sollte?

"Hallo" ist natürlich wichtig, um die Aufmerksamkeit einer Person zu erregen und ein Gespräch in der Sprache zu beginnen. "Wie viel kostet das?" kann in einer Vielzahl von Situationen sehr nützlich sein: herumkommen, sich etwas gönnen, wie wir es beispielsweise damals als Kinder getan haben, als wir Eis bestellt haben, oder um jemandem ein Souvenir zu kaufen! Und ein gutes altes „Danke“ oder „Bis bald“ ist immer ein guter Weg, um ein Gespräch perfekt zu beenden!


Vielen Dank für Deine Zeit, die letzten Worte gehören Dir!

Vielen Dank, Urlaubspiraten! 2020 war ein verrücktes Jahr für alle und in vielerlei Hinsicht herausfordernd. Aber wir können diese Krise und das zu Hause bleiben auch als Chance sehen: Es gibt uns Zeit, uns auf unseren nächsten Urlaub vorzubereiten. Man kann dann das Beste aus der nächsten großen Reise herausholen, indem man die jeweilige Sprache spricht.

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