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Unterwegs mit Kind: Bloggerin mom_and_a_half_man über ihre Weltreise, Burnout & Corona

Ein Deal von , 13. Aug. 2020 17.58 Uhr

Ahoi Piraten,

habt ihr euch schon einmal vorgestellt, einfach eure sieben Sachen zu packen, die Wohnung zu kündigen und euch kopfüber in ein neues Abenteuer zu stürzen? Nathalie, auch bekannt als mom_and_a_half_man hat genau das getan. Wir haben mit ihr über ihre Weltreise, wie sie Corona in Thailand erlebte und warum sie sich seit dem Start ihres Abenteuers so viel freier fühlt gesprochen.


Hallo Nathalie, stell dich doch bitte einmal kurz vor: Wer bist du, wo kommst du her und wo bist du gerade?

Hallo ihr Lieben, ich bin Nathalie. Manche kennen mich vielleicht auch unter mom_and_a_half_man. Die vergangenen 10 Jahre habe ich in Berlin gelebt. Dieses „bürgerliche“ Leben habe ich zu Beginn dieses Jahres aufgegeben und lebe nun gemeinsam mit meinem Sohn auf der ganzen Welt. Immer dort, wo es sich gut anfühlt. Nach 6 Monaten in Asien ist das derzeit auf einer Kaffeeplantage am Fuße des Kilimandscharo in Tansania.

Du hast dich also dazu entschlossen, dein Leben in Deutschland hinter dir zu lassen und eine Weltreise zu machen. Wie kam es dazu und was haben Freunde und Familie dazu gesagt?

Erstaunlicherweise hat das die Wenigsten verwundert. Ich habe durch die Bank weg Rückendeckung und Unterstützung bekommen. Für meine Mama war es natürlich schwer, aber sie will, dass ich glücklich bin. Und das bin ich, wenn ich frei sein kann.

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis wir endgültig losziehen würden. In den vergangenen 5 Jahren haben wir 20 Länder bereist und uns in Deutschland immer unfreier gefühlt. Nach meinem Burnout 2019 hatte ich endgültig die Nase voll und buchte an Weihnachten Tickets nach Thailand. One Way.

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Du bist jetzt über 6 Monate unterwegs. Welche Länder hast du seitdem bereist?

Unsere Open End-Weltreise startete im Januar. Die ersten 6 Monate verbrachten wir in Thailand. Zuerst auf Koh Phangan, dann ging es durch den Regenwald hoch nach Chiang Mai. Am Ende unserer Thailand-Zeit genossen wir die letzten Tage in Bangkok. Nun sind wir in Tansania.

Wie finanzierst du diese Reise?

Die Antwort ist ganz simpel: Durch Arbeit.

Ich habe lange darauf hingewirkt, ortsunabhängig arbeiten zu können. Meine Herzensangelegenheit war es immer, zu schreiben. Daher lag es auf der Hand, als Texterin und Content Creatorin in die Selbstständigkeit zu gehen. Einen Schritt, den ich trotz einiger Hürden niemals bereut habe - Wir leben also einen Alltag wie viele andere Menschen auch, nur eben an wechselnden Orten.

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Du bist nicht alleine unterwegs, sondern reist mit deinem Sohn. Wie ist eine Weltreise mit Kind, welche Herausforderungen gibt es?

Für mich ist es völlig normal, allerdings sind wir in den vergangenen 5 Jahren auch zusammen gewachsen, haben herausgefunden, was passt und was eben nicht.

Generell muss man mit einem Kind natürlich mehr organisieren und ist nicht nur für sich selbst verantwortlich. Auf der anderen Seite ist es aber ein wahnsinnig bereicherndes Gefühl, sein Kind so frei aufwachsen zu sehen. Durch ihn habe ich nochmals einen ganz neuen Blick auf die Welt. Neben den nötigen Impfungen, ist auch die Vorsorge für den Ernstfall wichtig. Ich lege daher allen Eltern neben einer guten Auslandskrankenversicherung auch unbedingt einen Erste-Hilfe-Kurs fürs Kind ans Herz. Alles in allem ist das Reisen mit Kind mit den richtigen Kniffen weit weniger herausfordernd, als viele Menschen erwarten würden. Daher ist es mir ein Anliegen, Eltern zu ermutigen, mit ihren Kindern in die Welt zu ziehen.

Auf meinem Instagram-Kanal teile ich regelmäßig Tipps rund ums Thema Familienreise. Von Packlisten bis hin zur natürlichen Reiseapotheke.

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Dein Sohn ist jetzt 5 Jahre alt und auch, wenn es sich um eine Open-End-Weltreise handelt: Die Zeit, in der er zur Schule gehen muss, rückt näher. Bedeutet das für dich, dass du die Weltreise zum gegebenen Zeitpunkt abbrichst oder hast du vor, ihn unterwegs zu unterrichten?

Wir haben nun noch ein Jahr Zeit, bis er schulpflichtig wird. Und ich möchte diese Entscheidung noch nicht fällen. Durch die Corona-Krise haben wir gesehen, wie schnell Pläne ins wanken geraten. Ich habe das langfristige Planen vor längerem aufgegeben. Weil es ja doch meist anders kommt und das, was statt des ursprünglichen Planes passiert, ist doch meist noch viel besser.

Meinen Sohn selbst zu unterrichten kann ich mir nach derzeitigem Stand nicht vorstellen. Was ich aber weiß ist, dass sich zum richtigen Zeitpunkt eine Lösung auftun wird. Bereits jetzt lernt er durch unsere Reisen unglaublich viel. Spricht nun Englisch, kann Zahlen und Buchstaben und saugt auf, was um ihn herum passiert. Ganz ohne Druck. Wo er zur Schule gehen wird, wird unser weiterer Weg zeigen.

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Als die Corona-Pandemie aufkam, befandest du dich gerade in Thailand. Wie war dein Leben vor Ort?

Auf den Inseln haben wir die leeren Strände sehr genossen und auch im Regenwald haben wir von Corona nicht viel mitbekommen. Allgemein hat Thailand die Krise gut im Griff. Es wurde schnell gehandelt, alle haben an einem Strang gezogen.

Doch als wir dann im Norden waren, waren die Auswirkungen sehr spürbar. Die meisten Geschäfte waren geschlossen, Restaurants leergefegt. Die Straßen ebenso. Ehemals belebte Tempel wurden zu Lost Places. Und auch in der Bevölkerung hat man uns gegenüber Unsicherheiten gespürt. Wir haben dennoch das Beste aus der Situation gemacht und die Locals unterstützt, wo es uns möglich war.

Das absolute Schock-Erlebnis hatten wir dann aber in Bangkok. Nach unserer Ankunft wollten wir etwas Trubel und sind auf die Khaosan-Road. Dort trafen wir auf eine leere Straße. Nur ein paar Locals spielten Fußball, mitten auf der Khaosan. Restaurants waren größtenteils geschlossen. Das hat mich doch sehr mitgenommen. Denn, gerade ein Land, das so auf den Tourismus angewiesen ist wie Thailand, trifft das Ausbleiben der Urlauber hart.

Hattest du überlegt, wegen der Pandemie die Reise abzubrechen?

Nein, das kam mir nicht in den Sinn. Natürlich wähle ich unsere Reiseziele nun nach anderen Kriterien, als ich das früher getan hätte. Da es sich bei Corona aber um eine Pandemie handelt, wären wir vor einer Ansteckung in Deutschland ebensowenig sicher, wie nun in Afrika.

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Du berichtest auf deinem IG-Account auch sehr offen über deinen Burnout. Das unterscheidet dich von anderen Reisebloggern. Warum hast du damit begonnen, wie wird das Thema von deinen Followern aufgenommen und wie fühlst du dich seitdem?

Ich finde es sehr wichtig, das Leben so darzustellen, wie es eben ist. Nur weil wir unseren Lebensmittelpunkt an wunderschönen Orten verbringen, heißt das nicht, dass es keine Probleme gibt. Auch wir streiten. Auch ich zweifle. Ich möchte nicht die Illusion ewig währender Harmonie darstellen. Denn das wäre zu gleichen Teilen gelogen wie langweilig.

Der Burnout und die Überforderung in Deutschland sind Teil meines Lebens und der Grund, warum ich meine Siebensachen gepackt habe. Ich spreche darüber sehr offen und bemerke, dass ich damit einen Stein ins Rollen bringe. Denn dieses Thema ist für viele Menschen Realität und völlig zu Unrecht ein Tabu.

Ich wünsche mir, dass ich mit meinem Account dafür sorgen kann, dass andere Menschen sich und ihre Bedürfnisse hinterfragen. Es muss nicht jeder auswandern, aber das eigene Glück sollte Priorität haben und auch ein Hamsterrad lässt sich anhalten. Das Leben ist zu kurz um nicht mutig zu sein.

Wo geht es für euch als nächstes hin und welche Länder sind noch geplant?

In den nächsten Monaten ist geplant, Tansania zu bereisen. Weiter plane ich nicht. Wir gehen, wohin der Wind uns trägt. Das ist ja das Schöne an unserem Leben. Wir sind frei.


Ihr wollt mehr über Nathalie erfahren und auf ihrer reise mit dabei sein. Hier geht's zum Instagram-Account von mom_and_a_half_man.

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Fotos: mom_and_a_half_man

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