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Thilafushi Kuni Gondu - die Müllinsel der Malediven

Ein Deal von , 19. Apr. 2016 10.15 Uhr

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Wenn wir an die Malediven denken, dann denken wir automatisch an Sonne, kristallklares Wasser und Taucherparadiese. Keiner wird sich wohl je gedanklich damit auseinandergesetzt haben, was eigentlich mit unserem Müll passiert, den wir tagtäglich zuhauf auf dem Atoll zurücklassen. Die Antowort lautet: Thilafushi Kuni Gondu. Gäbe es keine Hinterlassenschaften der Menschen, dann wäre dieser Teil der Malediven wohl auch ein wahr gewordener Traum. Leider ist der Müll trotzdem da. Und Thilafushi ist somit kein Paradies, sondern eine Insel mit einer gigantischen Müllverbrennungsanlage.

Mehr als 330 Tonnen Müll werden täglich geliefert, in vorgefertigte Becken entsorgt und mit feinem Strandsand überdeckt. Die Regierung ist hilflos überfordert mit der Müll-Problematik. Hauptsächlich kommt der Abfall von der Hauptinsel Malé. Insgesamt leben knapp 400.000 Menschen auf den Malediven. Hinzu kommen rund 1 Millionen Touristen, die für neue Müllberge sorgen. Für die Regierung stellt das eine gewaltige Hürde dar, dem Ganzen Herr zu werden. Die Bilder sprechen Bände. Das Schlimmste daran ist, dass sämtlicher Müll direkt im Meer landet. Die Artenvielfalt könnte über die Jahre hinweg gesehen darunter leiden.

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Die Touristen bekommen davon meistens nichts mit, da sie nach Ankunft in eines der Wasserflugzeuge steigen, um in ihr Luxus-Resort zu gelangen. Nur selten führt der Weg an Thilafushi vorbei. Daher kommen die Urlauber überhaupt nicht erst auf die Idee, sich über den Umgang mit Abfall Gedanken zu machen. Warum auch? Er ist ja schließlich nicht sichtbar und man hat Urlaub. Inzwischen kann die Regierung keine Lösungsvorschläge liefern, die auch nur ein bisschen Hoffnung geben. Bereits seit 1991 wird die Insel als Müllhalde verwendet. Nur mühsam wird der Abfall in der gigantischen Müllverbrennungsanlage verbrannt. An einigen Tagen kann man den aufsteigenden Rauch auch von den Urlaubsparadiesen wenige Kilometer weit entfernt beobachten.

Inzwischen sind aber nicht nur mehr die bis zu 500 Tonnen Müll pro Tag, die angeliefert werden, das Hauptproblem, sondern der extreme Gestank, der von ihr ausgeht. Dass die Arbeiter hier unter widrigsten Bedingungen arbeiten, ist kein Geheimnis. Teilweise sieht man sie sogar ohne Schutzmasken oder Schutzhandschuhen. Meistens handelt es sich bei dem Personal um Arbeitskräfte aus Bangladesch, die für einen Hungerlohn schuften.

Auch der steigende Massentourismus wird für noch tiefere Sorgenfalten verantwortlich sein. Denn eine Begrenzung der Touri-Ströme ist von Seiten der Regierung nicht in Sicht. Immer mehr unbewohnte Inseln werden sogar noch für die Branche erschlossen, um auf diesen neue und noch luxuriösere Hotelanlagen errichten zu können. Das Abfall-Problem wird dadurch nicht behoben. Bis eine Lösung gefunden wurde, bleibt leider nichts Anderes übrig, als den Mangroven-Wäldern und Korallenriffen auf den Malediven beim Sterben zuzusehen.

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