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Soziales Engagement und Projekte

Unternehmen tragen eine große soziale Verantwortung, sowohl für die eigenen Mitarbeiter als auch für die Gesellschaft insgesamt. Auf dieser Seite möchten wir euch zeigen, für welche Projekte sich die HolidayPirates Group engagiert und welche Organisationen wir unterstützen. 

Papageienpatenschaft

Wir Urlaubspiraten haben natürlich ein Herz für alle Tiere, aber die Unterstützung von Papageien liegt uns seit Jahren ganz besonders am Herzen. So unterstützten wir zum Beispiel The Ara Project in Costa Rica (mittlerweile: Macaw Recovery Project und Ara Manzanillo) - sowohl fianziell, aber auch indem wir Papageienbotschafter zur Unterstützung nach Costa Rica geschickt haben, die in Artikeln auf dieses großartige Papageien-Erhaltungsprojekt aufmerksam gemacht haben. 

Aktuell sind wir Pate für einen Ara, der vom Verein Arbeitsgemeinschaft Papageienschutz in Österreich liebevoll betreut wird.


Interview mit Nadja Ziegler von der ARGE Papageienschutz

"Foto-Papageien", illegaler Handel, Lebenraumverlust... wie viele andere Tierarten ist auch etwa ein Drittel aller Papageinarten weltweit vom Aussterben bedroht. Viele Papageien leben unter unzumutbaren Bedingungen - hierzulande, vor allem aber auch in beliebten Urlaubsländern. Wir haben ein Interview mit der Zoologin und Obfrau der ARGE Papageienschutz Nadja Ziegler geführt, die uns über die Missstände in bestimmten Urlaubsregionen aufklärt und zeigt, wie jeder von uns helfen kann. Wir hoffen, dass auch ihr dadurch noch sensibler für diese Probleme werdet und Tierquälerei (natürlich nicht nur von Papageien, sondern jeder Tierart!) sofort meldet und den Tieren damit die Chance auf ein besseres Leben gebt.

Frau Ziegler, was fasziniert Sie persönlich an Papageien?

Papageien sind hochsoziale, intelligente Tiere, die enge Bindungen eingehen, ähnlich jenen der Menschen.

Überhaupt kann die Papageienwelt mit vielem aufwarten, was uns sehr bekannt ist: Langeweile, Freundschaft, Liebe, Dreiecksbeziehungen, Eifersucht, Trennung, uvm.
Vor allem aber werden ihre Bedürfnisse bis heute zu wenig wahrgenommen. Es geht mehr darum, dass sie den Menschen mit ihrer Sprechfähigkeit und ihren schönen Farben erfreuen. Aber klug wie sie sind, stellen sie erhöhte Anforderungen an ihre Halter. Diese zu erfüllen ist eine Herausforderung und mit jenen von Hund, Katze, Meerschweinchen nicht zu vergleichen (womit ich aber nicht sagen will, dass letztere anspruchslos sind!). Ich engagiere mich daher seit mehr als zwei Jahrzehnten für ein besseres Verständnis für diese exotischen Krummschnäbel. Wer sie versteht, will sie automatisch geschützt wissen.  

Wie kam es zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft Papageienschutz? Was war Ihre Motivation?

Eigentlich wollte ich nur meine Diplomarbeit über Papageienhaltung in Österreich schreiben – dass daraus ein Verein wird, der sich nun seit über 23 Jahren dem Papageienschutz widmet und ein Schutzzentrum  mit bald 200 „gestrandeten“ Papageien betreibt, das hätte ich damals auch nicht geglaubt. Ich war jedoch in Österreich die erste, die sich vereinsmäßig dem Schutz anstatt der Zucht gewidmet hat. Und das war notwendig, denn die Probleme mit der Papageienhaltung waren groß und vielfältig.   

Wie schlimm steht es tatsächlich um den Bestand der Papageien weltweit? Was sind die größten Gefahren?

Zirka ein Drittel aller (über 350) Papageienarten ist vom Aussterben bedroht. Die Gründe sind, wie auch für viele andere Tierarten der Lebensraumverlust (Regenwaldrodung, Brände, etc.) und leider auch noch immer der Handel – in vielen Fällen der illegale!

Welche Missstände erleben Sie in der Papageienhaltung und wie erfahren Sie davon?

Der häufigste Fehler ist nach wie vor die Einzelhaltung. Papageien leben in der Natur in Paaren, Familien und (großen) Schwärmen. Keine der bei uns gehaltenen Arten lebt einzeln in der Natur. Darunter leiden die Vögel ganz massiv. Dazu kommt die Käfighaltung (Bewegungsmangel!) sowie Beschäftigungsmangel und meist auch eine einseitige Ernährung (zu viele Körner und ganz schlecht: Erdnüsse). Krankheiten werden meist zu spät erkannt und viele Halter können ihre Vögel nicht einfangen.
Viele Papageienhalter melden sich bei uns, weil sie überfordert sind. Manchmal überleben die Vögel ihre Besitzer und werden uns von den Erben gebracht. Andere von Personen, denen die Vögel zugeflogen sind. Nicht zuletzt übernehmen wir auch von den Behörden beschlagnahmte Vögel.

Aus welchen Urlaubsländern erhalten Sie die meisten Beschwerden?

Wir erhalten viele Beschwerden aus Kroatien, zum Beispiel Dubrovnik, wo es viele „Foto-Papageien“ in den Straßen gibt. Ebenso von den Kanarischen Inseln, vom Plattensee in Ungarn und sogar von den Malediven, wo sich Urlauber vor kurzem über die Haltung eines Aras an einer Fußkette beschwert haben. Meist geht es um Einzelhaltungen in irgendwelchen Verschlägen, vernachlässigten Tieren, die ihr Leben bei Körnern und Wasser fristen und man sich fragt, warum diese Tiere überhaupt gehalten werden. Oft werden sie auch als „Lockvögel“ in Hotels und Restaurants missbraucht. Sie leiden sehr unter ständig wechselnden Bezugspersonen, mangelnder Bewegung und auch mangelnder Nachtruhe.  

Gibt es in diesen Ländern gar keine Gesetze zum Schutz der Tiere?

Kaum! Je südlicher wir kommen, umso weniger wird auf das Wohl der Tiere Rücksicht genommen, leider! Der Artenschutz gilt jedoch überall und manchmal kann man über diese Schiene eingreifen.

Was sollten Urlauber tun, wenn Sie in einem Land auf schlechte Papageienhaltung aufmerksam werden? 

Bitte niemals mit Papageien fotografieren lassen – eher dem „Fotografen“ freundlich mitteilen, dass dies nicht dem Wohle der Tiere dient, sondern die Vögel stresst (vielen sind auch die Flügel gestutzt!).

Wenn es um eine schlechte Papageienhaltung in einem Hotel geht, so empfehlen wir, den Veranstalter zu informieren – dieser kann Druck machen, er bringt ja auch das Geld! Man kann auch schlechte Kritiken im Internet abgeben – steter Tropfen höhlt den Stein. Am besten wäre es natürlich, ein aufklärendes Gespräch mit dem Halter zu führen – leider fühlen sich die meisten Menschen jedoch nur bevormundet und lehnen solche Gespräche ab. Wenn sie doch einsichtig und willig zur Verbesserung sind, stehen wir jederzeit mit Rat und Hilfe zur Verfügung. Wir beraten in Sachen Vergesellschaftung, Volierenbau, Ernährung und Beschäftigung.
Manchmal kann man auch eine ortsansässige Tierschutzorganisation informieren – auch hier beraten wir, falls das Knowhow fehlt. Man findet diese oft über Tierärzte vor Ort oder über die sozialen Medien.

Wie genau helfen Sie den Papageien mit Ihrer täglichen Arbeit?

Wir beraten telefonisch, per Email und vor Ort an unserer Station – wo wir mit gutem Beispiel, also papageiengerechter Gruppenhaltung in gut strukturierten Volieren - voran gehen. Wir erstatten Anzeige, wenn uns schlechte Haltungen in Österreich gemeldet werden. Wir vergesellschaften und verpaaren Einzelvögel und nehmen verwaiste, beschlagnahmte und zugeflogene Papageien und Sittiche auf. Wir dokumentieren unsere Arbeit auf facebook und in unseren online und print Newslettern, machen Führungen und Workshops an der Station und halten Vorträge im In- und Ausland. In Kürze veröffentlichen wir einen Leitfaden zur Papageienhaltung – eine Checkliste zum Downloaden für Halter und Kontrollorgane, einfach und informativ. So kann jeder und jede überprüfen, ob man an der eigenen Haltung vielleicht noch etwas verbessern kann. Wir stehen auch Behörden bei Beschlagnahmungen, etc. mit Knowhow und Aufnahme zur Verfügung. Sehr oft hat die Aufnahme von Papageien eine starke soziale Komponente: schwer kranke Menschen möchten ihre Tiere, die noch viele Jahre leben können, gut und sicher untergebracht wissen. Vor kurzem übernahmen wir Kakadus von einer Frau, die wegen häuslicher Gewalt ins Frauenhaus floh – aber erst, als auch ihre Tiere in Sicherheit waren. Das zeigt, dass Tierschutz und Engagement für den Menschen oft nah beieinander liegen. 

Mit welchen anderen Organisationen arbeiten Sie zusammen?

Wir arbeiten mit Universitäten, Behörden (Amtsveterinäre, Zoll, etc.) und natürlich anderen Papageienschutzorganisationen, zum Beispiel in Deutschland, Ungarn und Südtirol zusammen. Dabei ist uns wichtig, dass es wirklich um den Schutz, und nicht um Zucht und Handel geht. Denn letztere lehnen wir im Fall der Papageien ab. Papageien sind Wildvögel, die meisten stammen aus tropischen und subtropischen Lebensräumen mit hoher Luftfeuchtigkeit. In Käfigen, Wohnzimmern und nördlichen Breitengraden, etc. haben sie eigentlich nichts verloren.

Welche Möglichkeiten gibt es sich für den Papageienschutz zu engagieren? 

Zum Einen im privaten Leben: Schutz durch Verzicht auf den Kauf von Papageien! Wer dennoch Papageien halten möchte, sollte sich an den Tierschutz wenden. Wir freuen uns besonders über ehrenamtliches Engagement, zum Beispiel an unserer Station bei der Pflege unserer vielen Schützlinge (Duschen, Intelligenzspiele spielen, etc.) und durch die Mithilfe bei Veranstaltungen (z.B. Infostände). Wem die Zeit dafür fehlt, kann uns zum Beispiel durch eine Patenschaft unterstützen. Unsere Paten erhalten eine schöne Urkunde (das ist übrigens auch ein Geschenk mit Sinn!) und können ihre Schützlinge natürlich vor Ort besuchen. 

Wie sieht die optimale Papageienhaltung aus? Und was sollte man vor der Anschaffung wissen?

Optimal ist sicher nur die Natur. Die Haltung ist immer ein Kompromiss – aber es gibt gute und schlechte Kompromisse. Niemals Einzelhaltung! Keine isoliert handaufgezogenen Vögel kaufen! Immer Volierenhaltung, innen und außen. Abwechslungsreiche Ernährung, viele Kletterstrukturen, frische Äste, Spielsachen; circa alle zwei Jahre zum Gesundheitscheck beim Papageienspezialisten; sich den Tiere widmen, sie geistig fordern. Auch etwas technisches Wissen ist erforderlich – zum Beispiel was künstliche Beleuchtung betrifft, denn die darf nicht flimmern und soll Tageslichtqualität haben. Niemals die Schwungfedern stutzen – Papageien bleiben nur gesund, wenn sie auch fliegen können. Geregelter Tag-Nacht-Rhythmus! Und, wie schon weiter oben gesagt, nur Vögel aus dem Tierschutz aufnehmen, es gibt genug davon, leider! 

(Interview vom 14.06.2019, durchgeführt von Carina Stelter)