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Es sah nach einer der größten Nachrichten für den Hauptstadtflughafen seit Jahren aus: Im September bekam eine Airline aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erstmals das Recht, einen fünften deutschen Flughafen anzufliegen. Alle Zeichen deuteten auf Emirates und Berlin. Gut vier Wochen später sagt Emirates-Präsident Tim Clark auf einer Branchenkonferenz in Frankfurt einen Satz, der die Sache vorerst beendet: Man werde im Moment nicht nach Berlin fliegen.
Anlass war der Staatsbesuch des VAE-Präsidenten Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan am 11. September im Kanzleramt in Berlin. Teil eines größeren Wirtschaftspakets, zu dem auch angekündigte Investitionen von 40 Milliarden Euro vor allem in digitale Infrastruktur gehören, war ein neues Luftverkehrsabkommen. Der Kern: Eine Airline aus den Vereinigten Arabischen Emiraten darf künftig einen fünften deutschen Flughafen anfliegen, mit maximal sieben Flügen pro Woche. Bisher sind nur Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg erlaubt, dafür aber mit unbegrenzt vielen Flügen.
Dass es Emirates und Berlin werden würde, galt als ausgemacht. Airline-Präsident Tim Clark wirbt seit über einem Jahrzehnt für eine Hauptstadtverbindung, zwischenzeitlich scheiterte laut Branchenkreisen sogar ein Codeshare mit Condor als Umweg. Vor rund einem Jahr beantragte Emirates dann Slots (zugeteilte Zeitfenster für Starts und Landungen) am BER, ein deutliches Signal. Berlin und Brandenburg begrüßten das Abkommen entsprechend, ebenso zahlreiche Wirtschaftsvertreter. Kritik kam von Lufthansa, dem Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften, der Gewerkschaft Verdi und dem hessischen Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori. Ihr Argument: Umsteigeverkehr, Wertschöpfung und Arbeitsplätze wandern an das Drehkreuz in Dubai ab.
Der mögliche Gewinn für Berlin lag dabei weniger im Dubai-Flug selbst als in dem, was dahinter hängt. Emirates verbindet über ihr Drehkreuz mehr als 130 Ziele in über 70 Ländern. Von Berlin aus wären Orte wie Bali, Sansibar, die Malediven oder Sydney mit nur einem Umstieg erreichbar gewesen. Für einen Flughafen, an dem Langstrecken ohnehin rar sind, wäre das ein spürbarer Sprung.
Was zunächst wie ein Geschenk aussah, entpuppte sich als Tauschgeschäft. Wer die neuen Rechte nutzt, muss im Gegenzug auf Wachstum an allen anderen deutschen Standorten verzichten. Für Emirates hieße das konkret:
Keine dritte tägliche Verbindung nach München. Drei Flüge täglich hatte die Airline dort früher schon angeboten
Keine vierte tägliche Verbindung nach Frankfurt
Kein Wachstum in Düsseldorf und Hamburg
Verzicht auf Weiterflüge in Drittstaaten, die sogenannte fünfte Freiheit. Emirates nutzte das früher etwa auf der Strecke von Hamburg nach New York
Offenlegung der Wirtschaftsdaten, laut Bericht der „FVW”
Schon Anfang Oktober hieß es von Emirates, man prüfe noch, Berlin-Flüge seien frühestens im Sommer 2027 realistisch. Die Wachstumsbegrenzung gilt in Branchenkreisen als unstrittig, die Formulierung zur fünften Freiheit dagegen als unklar.
Genau daran hängt jetzt alles: Clark begründete die Absage damit, man müsse sicherstellen, dass der Geist der Vereinbarung und die Art ihrer Übersetzung korrekt seien. Welche Punkte er konkret meint, ließ er offen.
Endgültig vom Tisch ist die Sache damit nicht. Clark hat die Absage ausdrücklich an eine Bedingung geknüpft, und die Slots am BER hat Emirates bereits. Klärt die Bundesregierung die offenen Punkte im Abkommen, könnte es doch noch klappen. Realistisch wäre das dann frühestens im Sommer 2027.
Allerdings: Die Emiraten-Rechte sind nicht an der Airline Emirates gebunden. Drei andere Airlines aus den Emiraten kommen infrage: Etihad aus Abu Dhabi fliegt bereits Frankfurt, München und Düsseldorf an und galt lange als zweiter ernsthafter Bewerber. Air Arabia aus Sharjah bedient München und nimmt im Dezember Frankfurt und Düsseldorf dazu. Flydubai ist in Deutschland bislang nicht vertreten, fliegt in der DACH-Region aber Salzburg und Basel an.
Für alle, die aus Berlin in die Golfregion oder weiter nach Asien wollen, ändert sich vorerst wenig. Eurowings fliegt ab dem 1. November täglich vom BER nach Dubai (DXB) und bleibt damit die einzige Direktverbindung ins Emirat Dubai; Condor hatte ihre eigene Strecke dorthin im Oktober aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Winterflugplan gestrichen.
Dafür hat Berlin seit dem 15. Oktober eine Alternative, die funktional fast dasselbe leistet: Condor fliegt täglich nonstop nach Abu Dhabi (AUH), rund 120 Kilometer von Dubai entfernt, im Codeshare mit Etihad. Über deren Drehkreuz lassen sich Anschlüsse nach Asien, Australien und Afrika direkt bei Condor mitbuchen, etwa nach Bangkok, Sydney oder Hanoi, mit durchgehendem Ticket und durchgechecktem Gepäck. Mit dem Winterflugplan rückt der Abflug auf 10 Uhr vor, Ankunft in Abu Dhabi um 19:20 Uhr Ortszeit. Für Berliner Reisende ist das der erste Zugang zum Etihad-Netz seit der Air-Berlin-Pleite.