
Wir nutzen Cookies, um deine Nutzererfahrung zu verbessern, dir persönlich auf dich zugeschnittene Inhalte liefern zu können und die Nutzung unserer Website zu analysieren. Wenn du auf "alle akzeptieren" klickst, stimmst du dem zu und bist damit einverstanden, dass wir diese informationen mit Dritten austauschen und dass deine Daten in den USA verarbeitet werden könnten. Für weitere Informationen, lies bitte unsere .
Du kannst deine Einstellungen jederzeit anpassen. Wenn du ablehnst, werden wir nur die notwendigen Cookies verwenden und du kannt leider keine persönlich auf dich zugeschnittenen Inhalte bekommen.

Noch gibt es keine akute Kerosinknappheit an Europas großen Flughäfen. Aber die Lage ist angespannt und ausgerechnet zur Hauptreisezeit könnten die Puffer dünner werden.
Der Hintergrund: Seit dem Iran-Krieg und der Blockade der Straße von Hormus fehlen wichtige Öl- und Kerosinlieferungen aus der Golfregion. Für Europa ist das besonders heikel, weil ein großer Teil des importierten Flugkraftstoffs normalerweise aus dem Nahen Osten kommt. Gleichzeitig gibt es in Deutschland ein zusätzliches Problem: Russland hat zum 1. Mai 2026 den Transit von kasachischem Rohöl über die Druschba-Pipeline gestoppt. Davon ist unter anderem die PCK-Raffinerie in Schwedt betroffen, die Berlin und Brandenburg mit Kraftstoffen versorgt – auch den BER.
Im Moment lautet die nüchterne Antwort: noch nicht akut, aber die Lage bleibt fragil. Ryanair-Chef Michael O’Leary sagte zuletzt, das Risiko einer Kerosinknappheit in Europa habe sich verringert; laut Ölkonzernen sei die Versorgung bis Anfang/Mitte Juni abgesichert. Auch die Bundesregierung sieht aktuell keine unmittelbare Gefahr für die Versorgung, beobachtet die Lage aber weiter.
Gleichzeitig warnen Branchenvertreter und Experten vor einem schwierigen Sommer. Der entscheidende Punkt ist nicht nur, ob überhaupt Kerosin vorhanden ist, sondern wo es verfügbar ist, zu welchem Preis und ob es rechtzeitig an die Flughäfen kommt. Gerade im Sommer steigt der Bedarf deutlich und wenn Lieferketten bereits angespannt sind, können regionale Engpässe schneller spürbar werden.
Dass es nicht nur ein theoretisches Risiko ist, zeigte sich bereits Anfang April in Italien: An mehreren Flughäfen (darunter Mailand-Linate, Bologna, Venedig, Treviso, Reggio Calabria und Pescara) wurde Kerosin zeitweise rationiert; in Brindisi war laut NOTAM/Medienberichten vorübergehend gar kein reguläres Auftanken möglich.
Ein plötzlicher kompletter Flugstopp wäre eher unwahrscheinlich. Realistischer wäre ein schrittweise ausgedünnter Flugplan. Zuerst würden Airlines wohl Verbindungen streichen, die sich am leichtesten ersetzen lassen, etwa kurze innerdeutsche Strecken mit guter Bahn-Alternative. Bei Lufthansa wären das im Ernstfall eher Flüge wie Frankfurt–Hannover als wichtige Langstrecken oder systemrelevante Frachtflüge.
Danach könnten Mehrfachverbindungen reduziert werden: also nicht zwingend die einzige Verbindung zu einem Ziel, sondern eher die dritte oder vierte Frequenz am Tag. Für Reisende würde das bedeuten: weniger Auswahl, vollere Maschinen und sehr wahrscheinlich höhere Preise.
Besonders anfällig wären nach der Logik der Lieferketten vor allem diese Bereiche:
Der BER steht stärker im Fokus, weil die Hauptstadtregion eng an der PCK-Raffinerie in Schwedt hängt. Die Versorgung ist aktuell nicht zusammengebrochen, aber der Stopp kasachischer Öllieferungen macht die Lage komplizierter. Frankfurt gilt dagegen als Sonderfall mit vergleichsweise robuster Infrastruktur und besserer Anbindung an Tanklager und Pipelines.
Wenn Airlines sparen oder priorisieren müssen, sind kurze Strecken oft die ersten Kandidaten. Sie verbrauchen im Verhältnis viel Treibstoff, weil Start und Steigflug besonders energieintensiv sind. Außerdem lassen sie sich leichter durch Zugverbindungen ersetzen.
Hier wird es komplizierter: Auf langen Strecken kann ein Flugzeug nicht einfach genug Kerosin für Hin- und Rückflug mitnehmen. Wenn am Zielort nicht sicher nachgetankt werden kann, geraten solche Verbindungen unter Druck. In der Branche gelten deshalb vor allem einzelne Asien-Routen als sensibel (da die Kerosinversorgung an einzelnen asiatischen Flughäfen stärker angespannt ist). Air France-KLM plant laut Berichten bereits Streichungen auf Asien-Strecken, wenn die Betankung vor Ort nicht garantiert werden kann.
Auch klassische Urlaubsverbindungen könnten eher gekürzt werden, vor allem wenn sie mehrfach pro Woche oder mehrfach täglich angeboten werden. Der Grund: Sie sind oft weniger systemrelevant als Geschäfts-, Hub- oder Frachtverbindungen und lassen sich auf stark bedienten Strecken eher reduzieren, ohne ein Ziel komplett vom Flugplan zu nehmen.
Die Airlines setzen auf mehrere Hebel. Lufthansa verweist auf eine Absicherung von rund 80 Prozent des Kerosinbedarfs für 2026 zu Vorkrisenpreisen und arbeitet nach eigenen Angaben an Maßnahmen zur physischen Versorgung und Preissicherung. Ryanair gibt sich deutlich entspannter und verweist auf Zusagen großer Ölkonzerne sowie Lieferungen aus anderen Regionen. Wizz Air betont, für das Sommerquartal weitgehend abgesichert zu sein; Condor sieht die Versorgung aktuell ebenfalls als stabil.
Ein weiteres Mittel ist sogenanntes Tankering: Flugzeuge nehmen dort mehr Treibstoff mit, wo er verfügbar oder günstiger ist, um am Zielort weniger oder gar nicht tanken zu müssen. Das hilft bei einzelnen Engpässen, ist aber keine perfekte Lösung, denn mehr Gewicht bedeutet auch mehr Verbrauch.
Panik ist derzeit nicht angebracht: Noch gibt es keinen flächendeckenden Kerosinmangel an Europas großen Flughäfen. Falls Airlines ihren Sommerflugplan wegen Treibstoffproblemen ausdünnen müssten, dürften viele Streichungen außerdem eher mit etwas Vorlauf erfolgen: schon deshalb, weil nach EU-Recht bei Annullierungen mindestens 14 Tage vor Abflug in der Regel keine zusätzliche Ausgleichszahlung fällig wird. Anspruch auf Erstattung oder Ersatzbeförderung besteht aber trotzdem.
Besser abgesichert seid ihr mit einer Pauschalreise: Fällt der Flug aus, ist nicht die Airline euer Ansprechpartner, sondern der Reiseveranstalter. Der muss sich grundsätzlich um eine Ersatzbeförderung unter vergleichbaren Bedingungen kümmern – ohne zusätzliche Kosten für euch. Bei individuell gebuchten Reisen müsst ihr euch dagegen oft selbst mit Airline, Hotel, Mietwagenanbieter und möglichen Mehrkosten auseinandersetzen.
Wichtig bei Flugstreichungen: Ihr habt bei einer Annullierung grundsätzlich die Wahl zwischen Erstattung des Ticketpreises, Ersatzbeförderung zum frühestmöglichen Zeitpunkt oder Umbuchung auf einen späteren Termin. Wenn ihr wegen der Ersatzbeförderung warten müsst, kommen je nach Situation auch Betreuungsleistungen wie Verpflegung oder Unterkunft hinzu.
Eine zusätzliche Entschädigung von 250 bis 600 Euro kann bei kurzfristigen Absagen unter 14 Tagen möglich sein, aber genau beim Thema Kerosinmangel ist noch nicht abschließend klar, wie Gerichte das bewerten würden. Bei einem nachweisbaren, unvermeidbaren physischen Treibstoffmangel könnte sich die Airline auf außergewöhnliche Umstände berufen; wenn der Flug dagegen vor allem wegen hoher Kosten oder schlechter Planung gestrichen wird, kann eine Entschädigung eher infrage kommen.
Ein praktischer Tipp: Bucht im Sommer möglichst nicht zu knapp getaktete Anschlussreisen, speichert Airline- und Veranstalterkontakte ab, dokumentiert jede Flugänderung und akzeptiert Gutscheine nur, wenn ihr sie wirklich wollt. Bei einer Streichung solltet ihr zuerst auf Ersatzbeförderung bestehen und erst dann selbst neu buchen, wenn Airline oder Veranstalter keine zumutbare Lösung anbieten.
🏴☠️ Fazit: Die große Kerosinkrise ist noch nicht da, aber die Warnlampen leuchten. Bis Anfang/Mitte Juni wirkt die Versorgung laut mehreren Einschätzungen stabiler als noch vor wenigen Wochen. Danach hängt viel davon ab, ob Ersatzlieferungen rechtzeitig greifen und ob die Sommernachfrage die dünneren Puffer überlastet.
Für Reisende bedeutet das: Kein Grund zur Panik, aber ein Thema, das man ernst nehmen sollte. Wenn es eng wird, dürften zuerst einzelne Kurzstrecken, Mehrfachfrequenzen und sensible Langstrecken betroffen sein; nicht der gesamte Flugverkehr auf einmal.