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Eigentlich müssten Flüge durch die Kerosin-Krise teurer werden. Auf einigen Strecken passiert gerade aber das Gegenteil, zumindest vorerst.
Eigentlich klingt die Rechnung simpel: Kerosin wird knapp und teurer, also müssten auch Flugtickets teurer werden. Ganz so einfach ist es gerade aber nicht. Trotz der Kerosin-Krise senken einige Airlines aktuell die Preise auf beliebten Europa-Strecken. Vor allem bei Flügen ans Mittelmeer gibt es offenbar wieder günstigere Tickets. Für Reisende ist die Lage deshalb etwas widersprüchlich: Wer innerhalb Europas unterwegs ist, kann gerade Glück haben; wer nach Südostasien will, muss teils tiefer in die Tasche greifen.
Der wichtigste Grund für die fallenden Preise ist nicht etwa günstigeres Kerosin, sondern Zurückhaltung bei den Kundinnen und Kunden. Viele Reisende buchen später oder zögern komplett, weil sie wegen der Kerosin-Thematik unsicher sind. Manche fürchten Flugstreichungen, Verspätungen oder steigende Preise kurz vor dem Urlaub.
Genau darauf reagieren Airlines nun mit günstigeren Tickets. Nach einer Analyse der Financial Times sanken zwischen dem 9. April und dem 6. Mai auf 27 der 50 wichtigsten Europa-Strecken ans Mittelmeer die günstigsten Juli-Tarife. Auf 15 Strecken gingen die Preise demnach um mindestens zehn Prozent zurück. Besonders deutlich fielen die Preise unter anderem auf Verbindungen nach Nizza, Palma und Barcelona.
Auch Euronews berichtet unter Berufung auf FlightsFinder.com von Preisrückgängen bei einigen Billigfluggesellschaften. Demnach haben vor allem Ryanair, Wizz Air und EasyJet auf bestimmten Europa-Strecken die Tarife gesenkt, teils um zehn bis 30 Prozent.
Für Reisende bedeutet das: Wer flexibel ist und innerhalb Europas reisen möchte, findet derzeit auf manchen Strecken wieder attraktivere Preise. Besonders der westliche Mittelmeerraum scheint aktuell besonders in dieses Muster zu fallen.
Airlines stehen gerade in einem schwierigen Spagat. Einerseits sind die Kosten für Kerosin stark gestiegen. Andererseits hilft ihnen ein leerer Sitzplatz auch nicht weiter. Wenn die Nachfrage schwächelt oder Reisende abwarten, müssen Airlines die Buchungen ankurbeln.
Das funktioniert klassisch über günstigere Einstiegspreise. Gerade Billigflieger arbeiten stark über Auslastung. Lieber verkaufen sie einen Teil der Sitze günstiger, als am Ende mit zu vielen leeren Plätzen zu fliegen.
Dazu kommt: Viele Airlines haben sich gegen steigende Treibstoffpreise abgesichert. Dieses sogenannte Fuel-Hedging bedeutet vereinfacht gesagt, dass Fluggesellschaften Kerosinpreise für einen bestimmten Zeitraum im Voraus festschreiben oder begrenzen. Dadurch spüren sie kurzfristige Preissprünge nicht immer sofort in voller Härte und die gestiegenen Marktpreise müssen nicht sofort komplett an Reisende weitergegeben werden.
Der Haken: Diese Absicherungen laufen irgendwann aus. Euronews zitiert FlightsFinder-Gründer Shahab Siddiqui mit der Einschätzung, dass die Hedging-Effekte in der zweiten Jahreshälfte nachlassen könnten. Dann könnten die Preise auf vielen innereuropäischen Strecken wieder steigen.
Auch Reuters berichtete bereits im März, dass EasyJet für die erste Jahreshälfte 2026 einen großen Teil des Treibstoffbedarfs abgesichert hatte, in der zweiten Jahreshälfte aber weniger stark geschützt ist. Genau dadurch könnten höhere Kerosinpreise später stärker durchschlagen.
Während manche Europa-Flüge gerade günstiger werden, sieht es auf einigen Langstrecken ganz anders aus. Besonders Verbindungen nach Südostasien sind laut Euronews deutlich teurer geworden. Dort wirken sich längere Flugrouten, höhere Treibstoffkosten und mögliche Einschränkungen im Flugverkehr stärker aus.
Aber auch dies könnte sich ändern, sobald sich die Lage in Nahost weiter entspannt und die "Middle-East-Carrier" (vor allem Emirates, Etihad und Qatar Airways) sich wieder Marktanteile zurückholen wollen.
Wer gerade einen Europa-Urlaub plant, sollte die Preise genauer beobachten. Auf einigen Mittelmeer-Strecken können kurzfristig gute Angebote auftauchen, gerade wenn Airlines die Nachfrage anschieben wollen. Gleichzeitig ist Abwarten nicht automatisch die bessere Strategie, weil auslaufende Treibstoffabsicherungen wieder für steigende Preise sorgen könnten. Das Ganze kann also ein kurzfristiges Fenster für Schnäppchen sein, aber vermutlich kein Dauerzustand.
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